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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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„Teutschlands Tob-sucht“. Positionen und Formen des affektiven Patriotismus bei Zincgref, Rompler und Grimmelshausen: Wilhelm Kühlmann

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WILHELM KÜHLMANN (Heidelberg)

„Teutschlands Tob-sucht“. Positionen und Formen des affektiven Patriotismus bei Zincgref, Rompler und Grimmelshausen

„Die Vorbereitung auf die Nationalisierung der europäischen Kulturen beginnt schon Jahrhunderte vor der Aufklärung, sie ist Teil jener gesamteuropäischen Bewegung, die wir Humanismus zu nennen gewohnt sind.“ Diese Feststellung des Münchener Historikers Winfried Schulze trifft zu.1 Sie gilt für den offensiven Flügel des vorreformatorischen Humanismus, vertreten durch Konrad Celtis (1459–1508), Ulrich von Hutten (1488–1523) und Jakob Wimpfeling (1450–1528), die in der sich rasch verbreitenden, von Tacitus Germania inspirierten Symbiose von Germanenmythos und Reichsidee moralische, historische und politische, auch politökonomische, nicht aber sprachliche Kriterien zur Propagierung einer deutschen Reichsidentität verarbeiteten. Ähnliches gilt für Teile der Türkenkriegspublizistik sowie für die Reichstagsoratorie und Reichstagsdichtung des 16. Jahrhunderts. Die allegorische Figur der Germania, wie sie in der Nachfolge von Petrarcas Italia-Personifikation bei Dichtern wie Georg Sabinus und später noch in Paul Flemings epistolarischer Flugschrift „Schreiben vertriebener Frau Germa ← 305 | 306 → nien“ als poetische Instanz eines kollektiven nationalen Willens berufen wurde, stand in Spannung zur aggressiven Aufladung des nationalen Gedankens im Horizont der reformatorischen Kämpfe des 16. Jahrhunderts. Hier dominierte bald ein genuin protestantisches Freiheitspathos, das zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges im Namen der „deutschen Libertät“ vor allem bei Exponenten und Sympathisanten des Calvinismus rege literarische Resonanz fand.

In spektakulärer Form wird diese Resonanz greifbar in Julius Wilhelm Zingrefs affektgeladenem Gedichtwerk mit...

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