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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Deutscher Michel in Böhmen. Zum Fortleben der Figur in Karikatur und Volkskunde: Jana Maroszová

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JANA MAROSZOVÁ (Prag)

Deutscher Michel in Böhmen. Zum Fortleben der Figur in Karikatur und Volkskunde

In seinem Teutschen Michel spricht sich Grimmelshausen kritisch zur in seiner Zeit verbreiteten Tendenz aus, Frankreich in der Sprache zum Vorbild zu nehmen, und er verteidigt in diesem Kontext Deutsch als das Eigene, das man nutzen soll. Den Schwerpunkt dieses Aufsatzes bildet aber nicht Grimmelshausens Traktat, sondern die Rezeption der Figur, die dem Werk ihren Namen verliehen hat, und konkret „Michels“ weiteres Schicksal in Böhmen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Zunächst wird zusammenfassend und eher holzschnittartig das deutsch-tschechische Mit- und Nebeneinander in Böhmen vor 1900 skizziert. Die anschließenden Ausführungen stellen den deutschen Michel in der Karikatur und dann in der damals an der Universität erst unlängst etablierten Wissenschaft der Volkskunde vor.

Das Königreich Böhmen, die Markgrafschaft Mähren und das Herzogtum Schlesien gehörten als Kronländer bis 1918 zur Habsburgermonarchie, nach dem Ausgleich von 1867 zu deren zisleithanischer Hälfte. Von Wien gingen Zentralisierungstendenzen aus, Deutsch fungierte als Amtssprache. Die böhmischen Kronländer waren sowohl von der tschechischen als auch von der deutschen Bevölkerung besiedelt. Vor 1800 begann sich in Böhmen eine tschechisch-nationale Bewegung zu formieren, die zuerst auf die Sprache und Kultur der tschechischen Bevölkerung achtete, im Verlauf des 19. Jahrhunderts aber langsam an politischer Relevanz gewann.1 Die politischen Vertreter der tschechischen Nationalbewegung versuchten, Eigenständigkeit der böhmischen ← 355 | 356...

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