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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Michael Köhlmeier: Die Abenteuer des Joel Spazierer. (Simon Zeisberg)

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Michael Köhlmeier: Die Abenteuer des Joel Spazierer. Roman. München: Carl Hanser Verlag 2013. 656 S.

„Meine Geschichte beginnt in einer Zeit, von der viele glaubten, sie sei die letzte.“ (S. 7) Michael Köhlmeiers Erzählerfigur Joel Spazierer, die Grimmelshausens berühmten Initial-Satz (fast) an den Anfang ihrer Lebensgeschichte stellt, ist, bevor sie eigentlich zur Figur wird, literarische Referenz. Aber was heißt das schon? Spazierer betont ausdrücklich, dass er mit seiner „literarischen Anspielung“ (S. 7) bloß einem Rat seines Schriftsteller-Freundes Sebastian Lukasser folge, der ihm empfohlen habe, sich auf diese Weise „das Debüt bei den Kritikern“ (S. 7) zu erleichtern. Und um die totale Austauschbarkeit seines Romanbeginns gleich noch zu demonstrieren, montiert Spazierer neben das Grimmelshausen-Zitat einen alternativen Einstieg, den er seinen Kneipenfreunden widmet: „Ein Mann kommt in eine Bank, hält der Frau am Schalter die Pistole an die Stirn und sagt: Keine Angst, das ist kein Überfall, das ist nur ein Amoklauf.“ (S. 7)

Dass in Spazierers intertextuellem Spiel gattungstheoretische Ironie steckt, ist kaum zu übersehen: Je lauter Köhlmeiers Roman die Referenz auf die pikarische Erzähltradition platzen lässt, desto mehr wird er dem Subversivitätsanspruch gerecht, den das Genre nicht erst seit Grimmelshausen erhebt. Dabei lässt schon die metapoetische Scharfsinnigkeit der Exposition erahnen, dass dem Leser mit den Abenteuern des Joel Spazierer eines der gelungensten pikarischen Erzählexperimente der letzten Jahre in die Hände gelegt ist. Mit einem ungeheuren Aufwand an Identitätsmasken, Personal,...

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