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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Das große ABC für interkulturelle Leser

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Carmine Chiellino

Als Leser, Herausgeber und Forscher von interkultureller Literatur hat Carmine Chiellino im Laufe von drei Jahrzehnten eine elementare deutschsprachige Terminologie erarbeitet, um über seine Erfahrungen mit der interkulturellen Literatur in Westeuropa und in Nordamerika anders als in den geläufigen Diskursen zu denken und zu schreiben. Die Terminologie ist aus der schlichten Notwendigkeit hervorgegangen, Schreibmodelle und Strategien, eigene Motivationen und fremde Zwänge beim Sprachwechsel, interkulturelle Lebensläufe und Entstehungskontexte, Projekte und Fragestellungen, die in Werken von interkulturellen Schriftstellern aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen vorkommen, stichwortartig zu erfassen. Dieser Band stellt rund 100 Stichwörter vor, die durch Textbeispiele, Werkbeispiele, Autorenbeispiele oder Kontextbeispiele erläutert werden und den Leser unterstützen sollen, die betreffenden Werke interkulturell lesen zu können. Die Textbeispiele sind in der Originalsprache und mit der deutschen Übersetzung wiedergegeben.
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Odysseus → Urmodelle für interkulturelle Literatur

Oralität und interkulturelle Literatur

Auf das Vorkommen der Oralität in der interkulturellen Literatur hinzuweisen ist aus zwei Gründen hilfreich: 1. Um die Quellen von interkulturellen Werken zu erschließen, die in Kulturräumen angesiedelt sind, in denen die Weitergabe des eigenen kulturellen Gedächtnisses mündlich und das instrumentelle Wissen durch das praktische Anlernen von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. 2. Um die Schreibstrategien herauszuarbeiten, mit denen die entsprechenden Autoren ihre Werke verfassen.

Werkbeispiele

–  Mit seinem gesamten Werk hat Galsan Tschinag das kulturelle Gedächtnis und das instrumentelle Wissen seines Volks, der Tuwer, aus der Mündlichkeit in die Schriftlichkeit, d. h. aus der tuwinischen in die deutsche Sprache überführt.

–  Beginnend mit seinem Erstlingswerk Moha le fou, Moha le sage, 1978, über L’Enfant de sable, 1985, bis zu La Nuit sacrée, 1987, hat Tahar Ben Jelloun die französische Sprache seiner Werke derart weiterentwickelt, dass sie am Ende der Reise zu einer analytisch erzählenden Sprache geworden ist, in der das mündliche Erzählen hier und dort durchschimmert, jedoch für das Medium Sprache nicht mehr prägend ist.198

Textbeispiel

Im Gesamtwerk des afghanischen Schriftstellers Atiq Rahimi kommen immer wieder Textstellen vor, an denen zu erkennen ist, wie er die Oraltradition seiner Herkunftskultur in der Sprache Dari verschriftlicht: ← 167 | 168 →

Großvater erzählte, dass sich Da Mullah...

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