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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Das große ABC für interkulturelle Leser

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Carmine Chiellino

Als Leser, Herausgeber und Forscher von interkultureller Literatur hat Carmine Chiellino im Laufe von drei Jahrzehnten eine elementare deutschsprachige Terminologie erarbeitet, um über seine Erfahrungen mit der interkulturellen Literatur in Westeuropa und in Nordamerika anders als in den geläufigen Diskursen zu denken und zu schreiben. Die Terminologie ist aus der schlichten Notwendigkeit hervorgegangen, Schreibmodelle und Strategien, eigene Motivationen und fremde Zwänge beim Sprachwechsel, interkulturelle Lebensläufe und Entstehungskontexte, Projekte und Fragestellungen, die in Werken von interkulturellen Schriftstellern aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen vorkommen, stichwortartig zu erfassen. Dieser Band stellt rund 100 Stichwörter vor, die durch Textbeispiele, Werkbeispiele, Autorenbeispiele oder Kontextbeispiele erläutert werden und den Leser unterstützen sollen, die betreffenden Werke interkulturell lesen zu können. Die Textbeispiele sind in der Originalsprache und mit der deutschen Übersetzung wiedergegeben.
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Pakt mit dem Leser → Bezugssysteme

Parola vissuta

Die Hauptfragen zur parola vissuta lauten:

–  Wer verwendet sie? Interkulturelle Autoren, die ihre Werke in ihrer Herkunftssprache schreiben, während das soziale Leben der Protagonisten in der Sprache des Landes stattfindet, in dem der Autor selbst lebt. Hierzu zählen Autoren wie Elias Canetti, Aras Ören, Marisa Fenoglio, Carlos Cerda.

–  Wo ist sie anzutreffen? In Werken, in denen die Protagonisten existentiellen Erfahrungen ausgesetzt sind, die sich sprachlich ihrer Herkunftssprache aufzwingen und deshalb in die Sprache des Werkes eingefügt werden müssen.

–  Welche ist ihre semantische Funktion? Sie zeigt an, dass die (→) Sprache des Werkes und die Sprache, in der der Alltag des Protagonisten stattfindet, sich in einem (→) dialogischen Austausch von Informationen in Bezug auf den gegenwärtigen (→) Lebensabschnitt des Protagonisten befinden.

–  Gestaltung einer parola vissuta. Eine gelungene parola vissuta kündigt sich als Sprachbruch an; jedoch offenbart sie sich als Vermittlerin von inhaltlicher Kontinuität. Somit weist sie darauf hin, dass die Sprache des Werkes und die Sprache des sozialen Lebens des Protagonisten für den Schriftsteller Teil ein und derselben Sprache ist. → Gestaltung einer Sprachlatenz

Textbeispiel 1

Das Wohnzimmer als parola vissuta und ihre Einfügung in einen italienischsprachigen Kontext. Ein junges Ehepaar, welches gerade einen Teppich in ihrem Wohnzimmer ausgelegt hat, unterhält sich über Sinn und Zweck des Wohnzimmers in Deutschland:

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