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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Das große ABC für interkulturelle Leser

Series:

Carmine Chiellino

Als Leser, Herausgeber und Forscher von interkultureller Literatur hat Carmine Chiellino im Laufe von drei Jahrzehnten eine elementare deutschsprachige Terminologie erarbeitet, um über seine Erfahrungen mit der interkulturellen Literatur in Westeuropa und in Nordamerika anders als in den geläufigen Diskursen zu denken und zu schreiben. Die Terminologie ist aus der schlichten Notwendigkeit hervorgegangen, Schreibmodelle und Strategien, eigene Motivationen und fremde Zwänge beim Sprachwechsel, interkulturelle Lebensläufe und Entstehungskontexte, Projekte und Fragestellungen, die in Werken von interkulturellen Schriftstellern aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen vorkommen, stichwortartig zu erfassen. Dieser Band stellt rund 100 Stichwörter vor, die durch Textbeispiele, Werkbeispiele, Autorenbeispiele oder Kontextbeispiele erläutert werden und den Leser unterstützen sollen, die betreffenden Werke interkulturell lesen zu können. Die Textbeispiele sind in der Originalsprache und mit der deutschen Übersetzung wiedergegeben.
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Umsiedlung → Interkulturelle Literatur

Unikate → Interkulturelle Literatur

Unzugehörigkeit → Beglückende Unzugehörigkeit

Urmodelle für interkulturelle Literatur

Als Urmodelle für interkulturelle Protagonisten bieten sich – fast unumgänglich – zwei Ikonen der griechischen Klassik an, nämlich: Medea und Odysseus.

–  Medea aus Euripides’ Tragödie ist die aufnehmende, die wissende Frau, die dem Helden Jason hilft, sein Ziel zu erreichen. Sie verlässt die eigene Familie, um mit ihm eine interkulturelle Lebensgemeinschaft zu gründen. Jason verrät den Pakt mit Medea durch seine Entscheidung, die Tochter des Königs von Korinth zu heiraten, um sich selbst als Exilierten und die Ausländerin Medea sowie die gemeinsamen Kinder zu schützen – woraufhin Medea die Kinder tötet. Sie tut dies, um die interkulturelle Lebensgemeinschaft aufzukündigen, nachdem Aigeus, der König von Athen, ihr bei den Göttern versprochen hat, ihr in Athen Asyl zu gewähren und sie zu beschützen.

Werkbeispiele

–  Als einheimische Frau, die den Fremden bei sich zu Hause aufnimmt, ihn gesund pflegt, mit ihm eine interkulturelle Lebensgemeinschaft gründet und ein Kind zeugt, ist Medea z. B. in Joseph Conrads Novelle Amy Foster, 1901, wiederzufinden. ← 213 | 214 →

–  Als hilfsbereite Frau, die sich einem erkrankten Fremden annimmt und ihn dadurch unterstützt, sein Ziel zu erreichen, tritt Medea in Albert Memmis Agar, 1955, in Paris auf. Memmis Protagonistin Marie, eine Studentin der Chemie an der Pariser Sorbonne, wird eine...

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