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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Geschlecht, Sexualität, Legitimation: Claude-Carloman de Rulhière über Katharina die Große

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1

Ruth Dawson

Biographische Legitimationsmechanismen sind ein heikles Thema wenn der Biograph ein skeptischer Zeitgenosse ist und das Sujet ein Herrscher mit einem wackeligen Machtanspruch. Wenn man Geschlecht und Sexualität zu dieser potenten Mischung hinzufügt, wird die Lage noch bedenklicher. Das war der Fall, als ein französischer Schriftsteller eine Art Biographie von Katharina II. (1729–1796) in seine Erzählung der Staatsumwälzung, welche sie auf den russischen Zarenthron setzte, einfügte. Das Thema Legitimation erscheint mehrmals in dem Haupttext und im paratextuellen Beiwerk, zuerst in der vorangestellten „Anzeige“ des ungenannten Herausgebers und danach in zwei Briefen des Autors, einer vor dem Haupttext und einer danach.

„Ich war gegenwärtig bey der Revolution, welche den Enkel Peters des Grossen vom Throne stürzte, und auf denselben eine Ausländerin erhob“, schrieb Claude-Carloman de Rulhière (1735–1791) im ersten Satz der ausgeprägt vergeschlechtlichten Schrift (GRR 1).2 Sein Text thematisiert eine Frau, Katharina die Große, und ist an eine andere Frau gerichtet, die aus mächtigsten Kreisen stammende französische Gräfin Septimanie d’Egmont, Tochter des libertinen Marschals Richelieu, Offizier am Hof von Louis XV. Rulhières Erzählung ist auch, so deutet er im Paratext an, in einem weiblichen Stil verfasst: Er hat versucht, den munteren und verspielten Stil der Gräfin Egmont zu imitieren und ihren Geschmack an pikanten Details zu entsprechen. Das war aber nicht nur eine Stilfrage, behauptet er, sondern eine Notwendigkeit, um sein Material...

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