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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Diesseits und jenseits der Dokumentation. Der Spielraum der Szenografie und die Regeln der Biografie im Dokumentarfilm

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Matthias Bauer

Der Anspruch der Narratologie, auch nicht-literarische Medien angemessen erfassen zu können, stößt bei Filmen auf einige Schwierigkeiten, von denen die, eine Erzählinstanz zu bestimmen, nur die auffälligste ist. Auch die auf Percy Lubbock zurückgehende, grundlegende Unterscheidung zwischen ‚telling‘ und ‚showing‘ lässt sich kaum 1:1 übernehmen.1 So gibt es zwar Ton-Filme mit einer Voice Over, also mit einer Erzählstimme – konstitutiv für die Fähigkeit, mittels Bildern eine Geschichte zu erzählen, ist diese Stimme jedoch nicht. Die für den Film charakteristische Prozedur der Narration besteht vielmehr darin, dass den Zuschauern Schauplätze und Bewegungen gezeigt werden. Wenn es darüber hinaus, wie im Stummfilm, Schrifttafeln oder andere Textformate gibt, so sekundieren diese nur dem Schauspiel und dem Schnitt respektive der Mise-en-Scène und der Montage. Zu einer spezifischen Erzählweise hat der Film erst durch die Varianz der Einstellungen innerhalb einer Szene oder Sequenz und durch die Möglichkeit gefunden, den Verlauf der konjekturalen Auffassungsakte, die der Zuschauer vollzieht, durch Auf- und Abblenden, Überblendungen und Doppelbelichtungen, sichtbare und unsichtbare Schnitte zu strukturieren. Das gilt unabhängig davon, ob der Film eine faktuale Geschichte (ohne Schauspieler) erzählt oder mittels der Schauspielkunst ein fiktives Drama entfaltet. An den Entscheidungen, die sich auf die Cadrage (Wahl des Bildausschnittes in Abhängigkeit von der Einstellung), auf die Découpage (Gliederung der Einstellungen innerhalb einer Szene) und auf die Montage (Zusammenschnitt der Einstellungen gemäß der Szenengliederung und ihrer Abfolge)...

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