Show Less
Restricted access

Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

Series:

Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
Show Summary Details
Restricted access

Wer schreibt hier Biographien? Autorität und Reputation beim Verfassen biographischer Wikipedia-Artikel

Extract



Anne Baillot und Christof Schöch

Einleitung

Als der Schriftsteller Philip Roth den Wikipedia-Eintrag zu einem seiner Romane las, hielt er einige dort enthaltenen Informationen für falsch und änderte daher den Beitrag. Da er aber auf keine Quelle verwies, wurden seine Korrekturen für unbegründet gehalten und nicht angenommen. Auf die Rückfrage seines Agenten an einen Wikipedia-Administrator erhielt dieser folgende Antwort: „I understand your point that the author is the greatest authority on their own work, but we require secondary sources“.1 Daraufhin verfasste Philipp Roth einen offenen Brief an Wikipedia, in dem er seine Korrekturen erklärte und begründete, veröffentlichte ihn in The New Yorker und verwies im Wi-kipedia-Eintrag zu seinem Roman auf diesen offenen Brief, der damit zur begründenden Quelle erhoben wurde. Die Korrekturen im Wikipedia-Artikel wurden aufgrund des vorhandenen Belegs angenommen.2

Dies wirft eine Reihe von Fragen auf, die zum großen Teil mit der besonderen Konstellation zu tun haben, dass es sich da um einen erfolgreichen zeitgenössischen Schriftsteller handelt, der über den eigenen Roman schreibt. Grundsätzlicher aber fragt man sich, von außen gesehen, inwiefern ein offener Brief eine legitimere Quelle sein kann als der Wikipedia-Eintrag selber und als das Wort des Autors. Was ist denn eigentlich eine autoritative Quelle im Kontext einer partizipativen Enzyklopädie wie Wikipedia?

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.