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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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… und raus bist du! Die Geschichte der Weißen Rose als Geschichte biografischer Ausschlüsse

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Christine Friederich

Geschichten, die nicht erzählt werden, existieren auch nicht. Was lässt sich also über Lebensgeschichten sagen, die nicht (mehr) erzählt, verschwiegen oder verdrängt werden? Um diesen Ausschlüssen auf die Spur zu kommen, ist es nötig, den Fokus ein wenig zu verschieben: Nicht der biografische Text selbst, sondern vielmehr seine Entstehungsbedingungen rücken in den Mittelpunkt der Betrachtung. Welche Mechanismen führen dazu, dass die Biografien bestimmter Personen erzählt werden, andere mit der Zeit herausfallen und wieder andere sich nie durchsetzen können? Ich werde dies am Beispiel der Widerstandsgruppe Weiße Rose verfolgen, die bis heute in unterschiedlichsten biografischen Erzählungen, sei es in Form von Einzel- oder Gruppenbiografien, sehr präsent ist. Von Anfang an war das Erinnern an den Widerstand stark biografisch ausgerichtet. Über den Widerstand zu sprechen hieß in den allermeisten Fällen, die Lebensgeschichten der Protagonisten darzustellen und Widerstandshandeln so erklärbar und für die eigene Gegenwart verständlich zu machen. Diese Erzählungen über die Weiße Rose waren in ihrem Grundgerüst sehr schnell festgelegt und haben sich darin bis heute kaum verändert: Eine Gruppe von Studenten und ein Professor verteilten seit dem Frühsommer 1942 Flugblätter, in denen sie zu passivem Widerstand und zum Sturz des NS-Regimes aufriefen. Zwei von ihnen wurden entdeckt, als sie am 18. Februar 1943 ihre Aufrufe im Lichthof der Universität München auslegten. Der Volksgerichtshof verurteilte einige der Mitstreiter zum Tode, andere...

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