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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Biographie als Möglichkeitsraum. Bitextualität in Emmy Hennings’ Hugo Ball-Erinnerungsbüchern jenseits von Faktenbezogenheit

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Lorella Bosco

Die Autorin Emmy Hennings als Biographin ihres Mannes

Immer träumt mir, meine Geschichte, die Geschichte einer Ehe, dürfte weder Anfang noch Ende haben. Aber wäre es in diesem Fall eine Geschichte? Sie kann nicht eigentlich geschrieben werden, sie lässt sich vielleicht nur in Ahnungen andeuten, aber sie ist da. Wo ich sie kaum oder nicht mehr verstehe, wittere ich das Allerschönste und gerade, weil ich weder Anfang noch Ende ersehe, bleibt mir die Geschichte spannend.1

Nach dem Tod ihres Mannes, Hugo Ball (1927), gab Emmy Hennings (oder Ball-Hennings, wie sie sich ab 1929 nennen ließ) drei biographische Bücher heraus (Hugo Ball. Sein Leben in Briefen und Gedichten, 1929, Hugo Balls Weg zu Gott. Ein Buch der Erinnerung, 1931, Ruf und Echo. Mein Leben mit Hugo Ball, 1953 posthum erschienen), um das Andenken ihres Gatten zu würdigen. Dazu sollte man das unveröffentlichte Typoskript Rebellen und Bekenner (ca. 1929) hinzufügen.2 Die Geschichte ihrer ersten Begegnung mit Hugo Ball bildet des Weiteren die letzte Sektion von Hennings’ autobiographischem Buch Das flüchtige Spiel (1940). Hugo Balls Biographin, deren Werk heute zum großen Teil in Vergessenheit geraten ist, war damals selbst eine bedeutende und äußerst produktive Schriftstellerin.

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