Show Less
Restricted access

Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

Series:

Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
Show Summary Details
Restricted access

Vom Unbehagen an der Biographie. Metabiographische Reflexionen in Literatur, life writing und Film

Extract



Caitríona Ní Dhúill

Eine Biographie, wie auch immer sie konstruiert ist, besitzt als Angelpunkt einen nicht mehr existierenden Körper, den sie jedoch ständig heraufbeschwört. Die Wurzeln des Genres finden sich in Gedenkpraktiken, wie Lobesreden, Grabinschriften, Nachrufen oder Memoiren. Biographische Texte, die etwa in der Tradition von James Boswell oder Thomas Carlyle geschrieben wurden, verfolgten das Ziel, einen Kanon kulturell sichtbarer Vorbilder zu schaffen, indem sie das Leben und Werk der ‚Großen‘ zelebrierten, die Helden der Kultur verehrten und ihnen ein Denkmal setzten. Biographien dieser Art führen das kulturelle Lebenswerk zurück auf die Materialität eines Körpers und eines gelebten Lebens. Die Biographie verdeutlicht die sonst oft unbeachtete Verbindung zwischen kultureller Produktion und der tagtäglichen Reproduktion des Körpers. In ihrem Anliegen, das Leben eines nachweisbaren Subjekts darzustellen, kann die Biographie als Mittler zwischen bios und graphein verstanden werden: Zum einen bezieht sie kulturelle Praktiken auf eine Spanne gelebter Erfahrung und auf den lebenden wie auch sterbenden Körper. Zum anderen überführt sie den Körper in ein kulturelles Repertoire von Lebensmodellen und Erzählformen.1 So scheint es zumindest auf den ersten Blick.

Die im Zentrum dieses Artikels stehenden Gegenpositionen der Anti-, Pseudo- und Metabiographie beharren demgegenüber hartnäckig darauf, dass der biographische Körper abwesend ist und bleibt. Indem eine antibiographische Analyse das Fehlen des biographischen Körpers aufdeckt, fördert sie zugleich reflexive Arten, Biographien zu lesen und prägt in...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.