Show Less
Restricted access

Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

Series:

Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
Show Summary Details
Restricted access

Frauenleben im 15. und 16. Jahrhundert. Italienische Ehe- und Frauentraktate und ihre deutsche Rezeption: Laura Auteri

Extract

Die sich im 15. Jahrhundert durchsetzenden sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Veränderungen trugen bekanntlich im ausgehenden Mittelalter zur Entstehung von neuen Modellen von Verhaltensweisen bei.1 Bürgerliche Schichten versuchten in jener Zeit ihre Interessen und Lebensweise durchzusetzen. Dazu gehört die Hervorhebung der familiären Struktur, die immer mehr zum Kern einer sich im Wandel befindenden Gesellschaft wurde, in der der Frau – und dem Manne – eine neue Rolle zukam. Aber auch die neuplatonisch geprägte philosophische Debatte der Epoche verhalf, wie zu zeigen sein wird, zur Verbreitung von neuen Modellen, die weniger mit der Familie und vielmehr mit der Autonomie des Individuums zu tun hatten. Ehetraktate und Frauentraktate – über Frauen und von Frauen geschriebene Traktate – markieren Etappen dieser Entwicklung.

Ihr Entstehungsort ist fast immer Italien. Der soziale Kontext in den italienischen Städten des 15. Jahrhunderts, als die ersten Ehetraktate entstanden, ist allerdings anders als der der deutschsprachigen Länder des späten 15. und des 16. Jahrhunderts, als deutsche Übersetzungen erschienen. Es wundert demnach nicht, dass die deutschen Übersetzungen der Vorlage selten treu blieben, und sie das Thema Ehe immer wieder von anderen Gesichtspunkten aus betrachteten, auch wenn es in beiden Fällen darum ging, die Hausfrauenrolle zu preisen. Bei ähnlicher Zielsetzung wird anders vorgegangen, Inhalt und rhetorische Argumentationen distanzieren sich voneinander. Auf zwei ← 173 | 174 → Autoren, Francesco Barbaro, der das erste wichtige europäische Ehetraktat verfasste,2 und auf den Nachfolger Poggio Bracciolini sowie auf ihre Übersetzer, Erasmus Alberus und Niklas von Wyle, werde ich im...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.