Show Less
Restricted access

Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

Series:

Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
Show Summary Details
Restricted access

Jan Kochanowski (1530–1584) deutsch. Zur Rezeption der polnischen Renaissance in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts: Tomasz Jabłecki

Extract

In der deutschen Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit kann man interessante Prozesse der Rezeption literarischer Werke nicht nur aus Latein, dem Italienischen oder dem Französischen, sondern auch aus dem Polnischen beobachten. Es handelt sich dabei um Texte grundsätzlich antiker Provenienz, die über das Polnische ins Deutsche übertragen wurden. Ein Beispiel liefern etwa die deutschen Dichter und Übersetzer aus dem 17. Jahrhundert, die auf die polnische Renaissance-Literatur zurückgriffen. Ihr verspätetes Interesse an Gedankengut, Motivik und Themenspektrum der polnischen Dichtung des 16. Jahrhunderts ist lediglich auf die Tatsache zurückzuführen, dass das Königreich Polen das politisch und kulturell zerrissene Deutsche Reich in gewisser Hinsicht übertraf: Während die polnische Literatur seit einiger Zeit schon ihren Kochanowski oder Rej1 hatte, die die polnische Sprache zur Dichtungssprache erhoben hatten, befanden sich die deutschen Dichter unter Anweisung von Martin Opitz noch auf dem Weg zur Literatur in der Nationalsprache Deutsch.

Der unvergleichliche Aufschwung Polens am Anfang des 16. Jahrhunderts war historisch gesehen eine Folge der Vermählung König Sigismunds I. mit der italienischen Prinzessin Bona Sforza aus Mailand im Jahre 1518. Dietger Langer unterstreicht dieses bedeutsame Ereignis, indem er sagt: „In dieser Zeit, die als das ‚goldene Zeitalter‘ bezeichnet wird, wirkten sich Einflüsse von Humanismus und Reformation zugleich in Polen aus […]. Die italienische Prinzessin […] trug maßgeblich zur Verbreitung der Renaissance-Kultur am polnischen Hof bei.“2 Nach Polen kamen italienische Architekten und Künstler, Denker und Geistliche. „Italien lieferte lange Zeit gewisse Ingredienzen der polnischen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.