Show Less
Restricted access

Streiflichter

Deutsche Literatur und Publizistik zwischen Kaiserreich und sechziger Jahren

Series:

Friedrich Albrecht

In den hier zusammengestellten 17 Aufsätzen zu Literatur und Publizistik spiegeln sich die kritischen Phasen deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert auf vielfältige Weise: der Großmachtchauvinismus des deutschen Kaiserreichs und speziell Wilhelms II., die vier Jahre Völkermord im 1. Weltkrieg, die verratene Revolution von 1918/19, die dem Untergang zutreibende Weimarer Republik, die barbarischen Zustände im Dritten Reich Hitlers und schließlich die Spannungen nach 1945 im Kalten Krieg. Dargestellt werden diese Probleme anhand des Schaffens hoch begabter deutscher Dichter und Publizisten, die heute kaum noch bekannt sind.
Wer erinnert sich noch an den genialen, mit 24 Jahren verstorbenen Dichter Georg Heym, wer an die streitbaren Publizisten Maximilian Harden und Wilhelm Herzog, wer an den mit 25 Jahren im Rhein ertrunkenen Romancier Rudolf Braune, wer an Willi Bredel, dessen Roman über sein Martyrium im KZ Fuhlsbüttel seinerzeit in 17 Sprachen übersetzt wurde? Neue Arbeiten über Anna Seghers beschließen den Band. Die letzte von ihnen ist ein Essay, der unter dem Titel «Anschreiben gegen das Vergessen» ein Grundmotiv ihres gesamten Schaffens verfolgt.
Show Summary Details
Restricted access

Klaus Manns letztes Jahr

Extract

Eine persönliche Bemerkung vorweg. Ich habe mich mit Klaus Mann zwischen der Mitte der siebziger Jahre und 1990 ziemlich kontinuierlich beschäftigt; daraus ist eine ganze Reihe von Publikationen, vor allem für den Aufbau-Verlag, entstanden. Mit dem Jahre 1990 habe ich diese Beschäftigung aufgegeben, aus Gründen, die hier nicht interessieren, und wollte sie eigentlich auch nicht wieder aufnehmen. Mein Interesse wurde erst wieder wach, als ich Heinrich Breloers Fernsehfilme über die Familie Mann sah – mit gemischten Gefühlen, wie ich gleich hinzufügen möchte. Da war zunächst sehr viel Freude und Zustimmung mit im Spiel: darüber, dass man diesen Gegenstand vor ein großes Publikum brachte, Genuß an der perfekten künstlerischen Darbietung und vor allem an hervorragenden schauspielerischen Leistungen, und was die dokumentarischen Partien anlangt: alles war genau belegbar, Breloer hatte akribisch recherchiert. Zugleich aber meldeten sich Bedenken, Widerspruch, und dies besonders im Hinblick auf das Bild, das von Klaus Mann gezeichnet wurde; von Heinrich Mann will ich hier gar nicht reden. Es ist ja wohl so, dass dieses Bild gerade auf grund der Qualitäten dieses Filmwerks und vor allem auf grund seines dokumentarischen Anspruchs lange haften bleiben wird und bei vielen Menschen, die von diesem Autor weiter nichts wissen und vielleicht auch nie etwas lesen werden, prägend, möglicherweise unkorrigierbar sein wird. Meine Aufmerksamkeit richtete sich besonders auf die Darstellung der letzten Lebenszeit Klaus Manns, also auf die Jahre 1948 und 1949, auf die bestimmenden Akzente, die dort gesetzt...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.