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Streiflichter

Deutsche Literatur und Publizistik zwischen Kaiserreich und sechziger Jahren

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Friedrich Albrecht

In den hier zusammengestellten 17 Aufsätzen zu Literatur und Publizistik spiegeln sich die kritischen Phasen deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert auf vielfältige Weise: der Großmachtchauvinismus des deutschen Kaiserreichs und speziell Wilhelms II., die vier Jahre Völkermord im 1. Weltkrieg, die verratene Revolution von 1918/19, die dem Untergang zutreibende Weimarer Republik, die barbarischen Zustände im Dritten Reich Hitlers und schließlich die Spannungen nach 1945 im Kalten Krieg. Dargestellt werden diese Probleme anhand des Schaffens hoch begabter deutscher Dichter und Publizisten, die heute kaum noch bekannt sind.
Wer erinnert sich noch an den genialen, mit 24 Jahren verstorbenen Dichter Georg Heym, wer an die streitbaren Publizisten Maximilian Harden und Wilhelm Herzog, wer an den mit 25 Jahren im Rhein ertrunkenen Romancier Rudolf Braune, wer an Willi Bredel, dessen Roman über sein Martyrium im KZ Fuhlsbüttel seinerzeit in 17 Sprachen übersetzt wurde? Neue Arbeiten über Anna Seghers beschließen den Band. Die letzte von ihnen ist ein Essay, der unter dem Titel «Anschreiben gegen das Vergessen» ein Grundmotiv ihres gesamten Schaffens verfolgt.
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JanauschBetrachtungen zu einer Figur aus der Dilogie Die Entscheidung/Das Vertrauen von Anna Seghers

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Um kaum andere der größeren Werke Anna Seghers’ ist es so still geworden wie um ihre beiden letzten Romane, Die Entscheidung (1959) und Das Vertrauen (1968). Vergessen sind die Elogen aus DDR-Zeiten; aber auch die Verrisse und Pamphlete in der Presse der alten Bundesrepublik aus der Ära des Kalten Krieges gehören – zumindest weitgehend – der Vergangenheit an. Nach 1989 dann gab es einige ausgewogene Darstellungen, in denen sich Kritik mit dem Versuch einer gerechten Einschätzung verband und auch die sich hinter dem Text verbergenden Schaffensprobleme der Autorin zur Sprache gebracht wurden.2 In neuerer Zeit bemerkte man aber auch Anzeichen für eine deutliche Unlust, sich mit dieser Materie noch weiter zu beschäftigen,3 und in der Tat erscheint es als wenig verlockend, sich auf diese problematischen Werke, deren Gesellschaftsbild in manchem anachronistisch anmutet, erneut einzulassen. Was mein Verhältnis zu den beiden Romanen anlangt, ist zu sagen, dass ich ihnen lange Zeit, genauer gesagt bis 2004, aus dem Wege gegangen war. Die bis zur persönlichen ← 209 | 210 → Diffamierung gehenden Angriffe aus dem Westen entsprachen meinem Lektüreerlebnis noch viel weniger als die Lobpreisungen der Literaturkritik in der DDR, und sich in dieses Getümmel mit einer eigenen Meinung einzumischen war, selbst wenn man Lust dazu gehabt hätte, seinerzeit schlechterdings unmöglich. Dass ich diese Zurückhaltung inzwischen aufgegeben habe – ich möchte hier auf meinen Aufsatz Anna Seghers’ letzte Märchenfigur4 hinweisen –, hat vor allem zwei Gründe. Zunächst einmal: Diese beiden Romane stellen...

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