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Emotionale Dichte und abstrakte Schönheit

Mela Meierhans’ Vokalwerk 1999–2011

Leslie Leon

Die vorliegende Arbeit stellt einen wichtigen Schritt zur systematischen musikwissenschaftlichen Untersuchung von Werk und Arbeitsweise der Komponistin Mela Meierhans dar, deren Schaffen bisher weder erfasst noch erforscht wurde. Dreiundzwanzig Vokalwerke aus der Zeit zwischen 1999 bis 2011 stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Kombination von Werkanalyse und Zitaten aus zahlreichen Interviews mit der Komponistin selber und verschiedenen Experten ermöglicht einen differenzierten Blick auf das Werk und den biographischen Kontext.
Vielfältige, oft interdisziplinär angelegte Impulse aus Literatur, Bildender Kunst, Film, Tanz und Architektur prägen die Arbeit der international tätigen Künstlerin mit Schweizer Herkunft. Die Verbindung von «emotionaler Dichte und abstrakter Schönheit» stellt ein ästhetisches Ideal der Komponistin dar und beeinflusst Mela Meierhans’ gesamtes kompositorisches Schaffen.
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9. Opus 1 – Triton (1989): Wettbewerbsgewinn und Entscheidung

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Ende der Achtziger Jahre findet ein entscheidendes Ereignis in Mela Meierhans’ professionellem Leben statt. Die zukünftige Komponistin gewinnt mit ihrem ersten zeitgenössischen Werk, Triton, 1989 einen Wettbewerb und kann mit dem Preis – einem sogenannten „Werkbeitrag“283, den ihr die Stadt Luzern zuerkennt und der eine finanzielle Unterstützung beinhaltet – ein Jahr lang weiter komponieren. So reussiert Mela Meierhans als zeitgenössische Komponistin. Triton entsteht aber nicht nur für den gewonnenen Wettbewerb. Anlass für die Komposition ist zunächst, dass Anja Meierhans, die eine Tanz-Ausbildung absolviert, sich für einen Auftritt eine Komposition für Klavier ohne Stimme und Elektronik wünscht. Für Anja Meierhans erfüllt der Auftrag zwei Funktionen. Zum einen erhält sie ein zeitgenössisches Stück für ihren Tanz, zum anderen ahnt sie, dass die Komposition dieses Stückes möglicherweise Weichen im Leben ihrer Schwester stellen könnte.284 Sie spürt, dass Mela Meierhans auf der Suche nach neuen musikalischen Möglichkeiten ist. Anja Meierhans liegt mit ihrer Vermutung richtig: Tritons kompositorische Qualität überzeugt nicht nur sie selber.

Mela Meierhans schreibt das Stück mit dem Computer, was zu dieser Zeit unüblich ist. Die Jury sieht Potential in der jungen Komponistin, vor allem wegen der Pausenstruktur der Komposition, wie Mela Meierhans mutmaßt. Dieses kompositorische Element ist bis heute zentral in ihrem kompositorischen Werk.

Die Anerkennung ist für die Komponistin Bestätigung und Aufforderung zugleich, das eigene kompositorische Werk ernst...

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