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Emotionale Dichte und abstrakte Schönheit

Mela Meierhans’ Vokalwerk 1999–2011

Leslie Leon

Die vorliegende Arbeit stellt einen wichtigen Schritt zur systematischen musikwissenschaftlichen Untersuchung von Werk und Arbeitsweise der Komponistin Mela Meierhans dar, deren Schaffen bisher weder erfasst noch erforscht wurde. Dreiundzwanzig Vokalwerke aus der Zeit zwischen 1999 bis 2011 stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Kombination von Werkanalyse und Zitaten aus zahlreichen Interviews mit der Komponistin selber und verschiedenen Experten ermöglicht einen differenzierten Blick auf das Werk und den biographischen Kontext.
Vielfältige, oft interdisziplinär angelegte Impulse aus Literatur, Bildender Kunst, Film, Tanz und Architektur prägen die Arbeit der international tätigen Künstlerin mit Schweizer Herkunft. Die Verbindung von «emotionaler Dichte und abstrakter Schönheit» stellt ein ästhetisches Ideal der Komponistin dar und beeinflusst Mela Meierhans’ gesamtes kompositorisches Schaffen.
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17. Schaffensphase II: 2000–

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2005

Parallel zu diesem Einschnitt im persönlichen Leben findet auch im kompositorischen Schaffen eine Umorientierung statt: Die zweite Schaffensphase beginnt 1999/2000 mit einem Paradigmenwechsel, exemplarisch durchgeführt an den Werken A-a und différance I–V. Diese zweite Schaffensphase endet 2005 mit der Komposition von Essays I–V. Die Initialzündung ist der konsequente Schritt zur Fragmentierung, den sie zunächst an A-a durchführt. Die Fragmenthaftigkeit ermöglicht es Mela Meierhans, formal strenge Kompositionsschemata zu entwerfen, die auch die Regeln der Texttransformation einschließen. Nicht mehr Melodien und Kontrapunkte, sondern miniaturartige musikalische Gesten sind es, die die Komposition im zweiten und vierten Teil strukturieren. Sowohl mit A-a wie auch mit différance führt Mela Meierhans die interaktive, teildeterminierte Partitur in ihr Werk ein. Diese fordert von den MusikerInnen ein, die Partitur in Teilen individuell zu gestalten und vergrößert damit ihren Einfluss, aber auch die zu übernehmende Verantwortung.

Der Paradigmenwechsel hin zur zweiten Schaffensphase betrifft nicht nur ästhetische Positionen, sondern führt auch zur – vorübergehenden – Abkehr von gesellschaftspolitischen Inhalten und von Ambitionen, politisches Engagement in einer Komposition abzubilden. Eine Rückkehr zur konkreten politischen Aussage ist erst mit dem Musiktheater Rithaa (2010) in der vierten Schaffensphase festzustellen. Einzig différance I–V ist von starkem politischem Ausdrucks- und Gestaltungswillen geprägt. Mela Meierhans versucht, die explizit demokratischen Strukturen des auftraggebenden Orchesters auf die Komposition zu übertragen, scheitert jedoch an der Vermittelbarkeit des Konzeptes.737

Sie nimmt verstärkt Bezug auf Architektur...

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