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Santiago de Compostela

Pilgerarchitektur und bildliche Repräsentation in neuer Perspektive

Bernd Nicolai and Klaus Rheidt

Die Kathedrale von Santiago de Compostela, als Ziel und Höhepunkt der Pilgerwege zum Jakobsgrab, darf heute mehr denn je Aufmerksamkeit beanspruchen, nicht nur als Ziel des Jakobsweges, sondern vor allem als architektonische und kulturgeschichtliche Quelle. Das mehrjährige Forschungsprojekt von Bernd Nicolai, Universität Bern und Klaus Rheidt, Universität Cottbus, «Die Kathedrale von Santiago de Compostela – Gestalt, Funktion und Programm», das den Bau und seinen architektur- und kunstgeschichtlichen Kontext von Grund auf neu untersucht, legt hier eine Zwischenbilanz vor. Der Band präsentiert erstmalig Ergebnisse zu Bauverlauf und Ausstattung auf der Basis einer neuen Bauforschung, Baugeschichte und Quellenanalyse und konfrontiert sie mit aktuellen internationalen Forschungen in Spanien, den USA, der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich zum Themenbereich der Pilgerstraßenarchitektur und -skulptur.
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Der Pórtico de la Gloria im Beziehungsgeflecht der nordspanischen Skulptur

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Claudia Rückert

Santiagos berühmte Westportalanlage ist eine der großartigsten Syntheseleistungen mittelalterlicher Kunst. Kaum mehr steigerungsfähig kulminieren im Pórtico de la Gloria künstlerische wie technische Errungenschaften, die aufs Engste mit den Skulpturenensembles der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in den hispanischen Königreichen verbunden sind. Schon Ernst H. Buschbeck thematisierte in seiner bis heute lesenswerten Studie aus dem Jahre 1919 die vielfältigen Beziehungen des Pórtico zu anderen Skulpturen Nordspaniens.1 Zugleich betonte er die Prägung des Skulpturenstils am Pórtico durch das französische Kronland – „als dessen Repräsentanten wir Chartres anzusehen gewohnt sind“ –, stellte aber fest, dass vor seiner Fertigstellung bereits genug Zeit verstrichen gewesen sein muss, „diesen Einfluß vollkommen zu assimilieren.“2 Ist die Skulptur des Pórtico nicht ohne die ‚Erfindung‘ der frühgotischen Gewändefigur in der Île-de-France um die Mitte des 12. Jahrhunderts zu denken, so handelt es sich in Santiago, wie schon Buschbeck bemerkte, um keine direkte Übernahme französischer Formen. Dies wäre im Kontext der Entstehung des Pórtico aus der Sicht seines Auftraggebers auch nicht opportun gewesen.

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