Show Less
Restricted access

Kann Literatur Zeuge sein?- La littérature peut-elle rendre témoignage ?

Poetologische und politische Aspekte in Herta Müllers Werk - Aspects poétologiques et politiques dans l’œuvre de Herta Müller

Series:

Dorle Merchiers, Jacques Lajarrige and Steffen Höhne

Kann Literatur Zeuge sein? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Kongressakten, die aus der Tagung über Herta Müller im November 2012 in Montpellier hervorgegangen sind. Dabei wird das Werk von Herta Müller aus unterschiedlichen und komplementären Blickwinkeln betrachtet: von der Geschichte und der Kulturgeschichte aus, der Ästhetik und der Politik, der Linguistik und der Poetologie, der Psychologie und der Philosophie. Diese Perspektiven verbinden und ergänzen sich, sie beleuchten Spuren einer Ästhetik des Widerstands, die sich in Müllers Werk immer wieder manifestiert, und versuchen gleichzeitig auch erinnerungskulturelle und postkoloniale Fragestellungen auszuloten.
La littérature peut-elle rendre témoignage ? Cette question est au centre du présent volume, qui réunit les actes d’un colloque sur Herta Müller, organisé en novembre 2012 à Montpellier. Les approches sont diverses et complémentaires : historiques et culturelles, esthétiques et politiques, linguistiques et poétologiques, psychologiques et philosophiques. Ces différentes perspectives se conjuguent pour dégager les traces d’une esthétique de la résistance qui se manifeste en de nombreux endroits de l’œuvre de Herta Müller et pour tenter de répondre aux questionnements liés aux cultures de la mémoire et au post-colonialisme.
Show Summary Details
Restricted access

Eine Sprache für das Unsagbare finden. Über lexikalische Wiederholungen in Atemschaukel: Emmanuelle Prak-Derrington, Dominique Dias

Extract

EMMANUELLE PRAK-DERRINGTON / DOMINIQUE DIAS

Eine Sprache für das Unsagbare finden. Über lexikalische Wiederholungen in Atemschaukel

Einleitung: Herta Müllers „dichtende Prosa“

„Wenn es für alles eine Sprache gäbe, bräuchte ich ja nicht zu schreiben. Die innere Notwendigkeit zu schreiben kommt bei mir genau daher, eine Sprache für das Unsagbare zu finden.“1 Herta Müllers Sprache ist unverwechselbar, bei den Lesern ruft sie ungeteilte Faszination oder aber Unverständnis2 hervor. Als ihr Werk 2009 von der Jury des Literatur-Nobelpreises gewürdigt wurde, lobte die Akademie in ihrem knappen Kommentar die Intensität und Eigenart ihrer Sprache: Sie zeichne „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“.3 Poesie und Prosa in einem, Prosadichtung: die Frage stellt sich, wie bei Herta Müller die beiden sonst getrennten Dimensionen ineinanderfließen. In der Sprache beschreibt das Adjektiv prosaisch sowohl das, was in Prosa abgefasst wird, als auch das, was nüchtern, sachlich, trocken4 ist. Eigenschaften, die zur Poesie vermeintlich nicht passen.

Was ist es, was in Herta Müllers Sprache poetisch ist, wenn ihre Sprache doch prosaisch bleibt und weder vom Vokabular noch von der Syntax her schwer zugänglich?

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.