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Kann Literatur Zeuge sein?- La littérature peut-elle rendre témoignage ?

Poetologische und politische Aspekte in Herta Müllers Werk - Aspects poétologiques et politiques dans l’œuvre de Herta Müller

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Edited By Dorle Merchiers, Jacques Lajarrige and Steffen Höhne

Kann Literatur Zeuge sein? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Kongressakten, die aus der Tagung über Herta Müller im November 2012 in Montpellier hervorgegangen sind. Dabei wird das Werk von Herta Müller aus unterschiedlichen und komplementären Blickwinkeln betrachtet: von der Geschichte und der Kulturgeschichte aus, der Ästhetik und der Politik, der Linguistik und der Poetologie, der Psychologie und der Philosophie. Diese Perspektiven verbinden und ergänzen sich, sie beleuchten Spuren einer Ästhetik des Widerstands, die sich in Müllers Werk immer wieder manifestiert, und versuchen gleichzeitig auch erinnerungskulturelle und postkoloniale Fragestellungen auszuloten.
La littérature peut-elle rendre témoignage ? Cette question est au centre du présent volume, qui réunit les actes d’un colloque sur Herta Müller, organisé en novembre 2012 à Montpellier. Les approches sont diverses et complémentaires : historiques et culturelles, esthétiques et politiques, linguistiques et poétologiques, psychologiques et philosophiques. Ces différentes perspectives se conjuguent pour dégager les traces d’une esthétique de la résistance qui se manifeste en de nombreux endroits de l’œuvre de Herta Müller et pour tenter de répondre aux questionnements liés aux cultures de la mémoire et au post-colonialisme.
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Die Diktatur im Spiegel der Literatur: Surreale Bildlichkeit in Herta Müllers Romanen Herztier und Heute wär ich mir lieber nicht begegnet: Roxana Nubert

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ROXANA NUBERT

Die Diktatur im Spiegel der Literatur: Surreale Bildlichkeit in Herta Müllers Romanen Herztier und Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

1. Einführung

Die politischen Romane Herztier1 (1994) und Heute wär ich mir lieber nicht begegnet2 (1997), in denen die Macht- und Gewaltstrukturen in der Regierungszeit Nicolae Ceauşescus in den Vordergrund rücken, stellen einen dokumentarischen Bericht über eine bedrückende Realität dar, die schmerzhaft präsent und fassbar wird. In beiden Texten entwirft die Autorin ein apokalyptisches Bild Rumäniens in der Zeit der kommunistischen Diktatur, wobei das entstellte Temeswar / Timişoara den tragischen Hintergrund des Geschehens darstellt. Aus dieser Sicht wird die surreale Bildlichkeit bei Herta Müller zum Ausgangspunkt einer kritischen Distanzierung dem diktatorischen System gegenüber.

Schon in ihrem Essay Wie Wahrnehmung sich erfindet zitiert die Autorin Marieluise Fleißers Worte: „Aber was von innen kommt, das kommt bald auch von außen.“3

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