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Kann Literatur Zeuge sein?- La littérature peut-elle rendre témoignage ?

Poetologische und politische Aspekte in Herta Müllers Werk - Aspects poétologiques et politiques dans l’œuvre de Herta Müller

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Dorle Merchiers, Jacques Lajarrige and Steffen Höhne

Kann Literatur Zeuge sein? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Kongressakten, die aus der Tagung über Herta Müller im November 2012 in Montpellier hervorgegangen sind. Dabei wird das Werk von Herta Müller aus unterschiedlichen und komplementären Blickwinkeln betrachtet: von der Geschichte und der Kulturgeschichte aus, der Ästhetik und der Politik, der Linguistik und der Poetologie, der Psychologie und der Philosophie. Diese Perspektiven verbinden und ergänzen sich, sie beleuchten Spuren einer Ästhetik des Widerstands, die sich in Müllers Werk immer wieder manifestiert, und versuchen gleichzeitig auch erinnerungskulturelle und postkoloniale Fragestellungen auszuloten.
La littérature peut-elle rendre témoignage ? Cette question est au centre du présent volume, qui réunit les actes d’un colloque sur Herta Müller, organisé en novembre 2012 à Montpellier. Les approches sont diverses et complémentaires : historiques et culturelles, esthétiques et politiques, linguistiques et poétologiques, psychologiques et philosophiques. Ces différentes perspectives se conjuguent pour dégager les traces d’une esthétique de la résistance qui se manifeste en de nombreux endroits de l’œuvre de Herta Müller et pour tenter de répondre aux questionnements liés aux cultures de la mémoire et au post-colonialisme.
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Herta Müller: Rezeption, ästhetische Innovation und Zeitlichkeit: Iulia-Karin Patrut

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IULIA-KARIN PATRUT

Herta Müller: Rezeption, ästhetische Innovation und Zeitlichkeit

1. Einführung

Die Rezeption von Herta Müllers Texten ist und bleibt ein ebenso aktueller wie facettenreicher Untersuchungsgegenstand. In der Germanistik sind vergleichsweise wenige, dafür aber substantielle Forschungsarbeiten geleistet worden – in Frankreich, Rumänien und Deutschland, aber auch im angloamerikanischen Raum.1 Auf eine erste Bilanz der Rezeption, die Norbert Otto Eke bereits 1991 zog,2 folgten die Arbeiten von Daniela Olărescu3 und Olivia Spiridon,4 Etappen der Rezeptionsgeschichte zeichnen Roxane Compagne und Eniko Stringham nach.5 ← 347 | 348 →

Spricht man von ‚der Rezeption‘ Herta Müllers, muss in erster Linie zwischen den wissenschaftlichen Forschungsbeiträgen und der publizistischen Besprechung der Werke in der literarischen Öffentlichkeit unterschieden werden. Gefragt werden kann außerdem noch nach Spezifika der Rezeption in unterschiedlichen Diskursräumen, so beispielsweise in Rumänien und der Bundesrepublik, in Frankreich oder Großbritannien, oder aber nach Unterschieden zwischen der Wahrnehmung Herta Müllers auf dem europäischen beziehungsweise dem US-amerikanischen Kontinent. Aufgrund der zunehmenden Internationalisierung der germanistischen Forschung sind solche Unterscheidungen jedoch mit großer Vorsicht zu ziehen und selbstverständlich allenfalls aus dem Material heraus, etwa im Zuge von Textkorpusanalysen, zu begründen. Diese Themenfelder können hier nicht vertieft werden. Erste Befunde deuten jedoch auf zwei sich deutlich abzeichnende Aspekte hin, die hier kurz benannt seien: Erstens: Ein gemeinsamer Nenner der wissenschaftlichen und publizistischen Rezeption Herta Müllers liegt in internationaler Perspektive im Bereich der literarischen Auseinandersetzung...

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