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Kann Literatur Zeuge sein?- La littérature peut-elle rendre témoignage ?

Poetologische und politische Aspekte in Herta Müllers Werk - Aspects poétologiques et politiques dans l’œuvre de Herta Müller

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Edited By Dorle Merchiers, Jacques Lajarrige and Steffen Höhne

Kann Literatur Zeuge sein? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Kongressakten, die aus der Tagung über Herta Müller im November 2012 in Montpellier hervorgegangen sind. Dabei wird das Werk von Herta Müller aus unterschiedlichen und komplementären Blickwinkeln betrachtet: von der Geschichte und der Kulturgeschichte aus, der Ästhetik und der Politik, der Linguistik und der Poetologie, der Psychologie und der Philosophie. Diese Perspektiven verbinden und ergänzen sich, sie beleuchten Spuren einer Ästhetik des Widerstands, die sich in Müllers Werk immer wieder manifestiert, und versuchen gleichzeitig auch erinnerungskulturelle und postkoloniale Fragestellungen auszuloten.
La littérature peut-elle rendre témoignage ? Cette question est au centre du présent volume, qui réunit les actes d’un colloque sur Herta Müller, organisé en novembre 2012 à Montpellier. Les approches sont diverses et complémentaires : historiques et culturelles, esthétiques et politiques, linguistiques et poétologiques, psychologiques et philosophiques. Ces différentes perspectives se conjuguent pour dégager les traces d’une esthétique de la résistance qui se manifeste en de nombreux endroits de l’œuvre de Herta Müller et pour tenter de répondre aux questionnements liés aux cultures de la mémoire et au post-colonialisme.
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Zusammenfassungen / Résumés

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EMMANUELLE AURENCHE-BEAU

Kann Literatur vom Leben in Rumänien zeugen? Das Beispiel von Herta Müller (Der Mensch ist ein grosser Fasan auf der Welt, 1986), Richard Wagner (Ausreiseantrag, 1988), Johann Lippet (Protokoll eines Abschieds und einer Einreise oder Die Angst vor dem Schwinden von Einzelheiten, 1990) und Franz Hodjak (Grenzsteine, 1995).

Anhand von Büchern, die alle das Leben in Rumänien am Ende der 1980er und am Anfang der 1990er Jahre durch Figuren thematisieren, die sich zur Ausreise entschieden haben, versucht der Beitrag nicht nur das zu untersuchen, wovon die vier Werke zeugen, sondern auch die Art und Weise, wie sie davon zeugen, das heisst die ästhetischen Wahlen der Autoren zu hinterfragen. Wenn Lippet sich für ein dokumentarisches Schreiben entscheidet, das mit grosser Genauigkeit den zermürbenden Weg eines Ausreisewilligen beschreibt, so gibt Wagner durch ein „additives“ Schreiben, das kurze narrative Sequenzen nebeneinander stellt, die geistige Lähmung zu spüren, die die Hauptfigur erfasst und um ihre Fähigkeit zu denken und zu schreiben bringt in einem Land, in dem die Sprache „okkupiert“ ist. Hodjak seinerseits wählt den Weg der Fiktion, was ihn paradoxerweise nicht daran hindert, mitten in seinen an Zwischenfällen reichen Roman eine Denunzierung der rumänischen Wirklichkeit einzuschleichen. Das parataktische Schreiben Herta Müllers, das an der Rekonstruierung der Wahrnehmungen arbeitet, macht die Todesatmosphäre greifbar, die in einem Banater Dorf herrscht, dessen Einwohner größtenteils auswandern wollen.

Keywords: Ausreise, Ästhetik des Zeugnisses,...

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