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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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4 Formen des Konjunktivs Präsens

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4.1 Distinktheit beim schwachen Verb

4.1.1 Problemstellung

Es ist bereits einleitend (Kap. 1.1, S. 4) davon ausgegangen worden, dass im Vergleich zum Standard die morphologische Eindeutigkeit der schweizerdeutschen Konjunktivformen für dessen gefestigtere Stellung zentral ist. Besonders deutlich wird diese Auffassung bei Haas (2000: 77; vgl. dazu auch Lötscher 2004: 170):

Im Unterschied zum Standarddeutschen unterscheiden die schweizerdeutschen Mundarten die beiden Konjunktive in allen Personen durch eindeutige Formen:

Dank dieser formalen Eindeutigkeit erhält sich in den Mundarten der „regelrechte“ Konjunktivgebrauch; […]

Hier wird jeweils nur die 1. Person Singular angegeben, aber ausdrücklich die formale Unterscheidbarkeit der Modi durch alle Personen angenommen. Das scheint für den Singular des Präsens (Indikativ vs. Konjunktiv) plausibel, wenngleich man auch hier gebietsweise Einschränkungen im Hinblick auf die Eindeutigkeit machen muss.

So kann in der 2. Person Singular luegisch auch Indikativ sein (vgl. SDS III 27 Legende II b; Weider 1992: 21). Im übrigen wäre nach Verbart zu differenzieren, da etwa die Kurzverben oder die Modalverben anders flektieren: z. B. 1./3. Person Singular von gā/gō ‚gehen‘: göng; von chönne ‚können‘: chönn usw.

Insbesondere für die 3. Person Singular ist die Eindeutigkeit gegeben, dies gilt aber für die Standardsprache ebenso. Die Annahme durchgängiger formaler Distinktheit und der daraus resultierenden Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs kann man also auch als weit weniger zwingend ansehen, als bei Haas dargestellt....

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