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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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8 Zum Vokalismus im Konjunktiv Präteritum starker Verben

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8.1 Problemstellung

Wie im Literaturüberblick (2.3) ausgeführt wurde, haben in neuen Arbeiten zum schweizerdeutschen Konjunktiv Veränderungen im Stammvokalismus starker Verben einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, insbesondere bei Nübling (1997) und Christen (1999). Beide argumentieren, dass es eine Tendenz gibt, die wegführt von den (am Standard orientiert) sprachgeschichtlich „korrekten“ Vokalen, also etwa zu ‚fliegen‘ Konjunktiv-Präteritum-Bildungen wie flieg oder flug statt flö(ö)g. Der vollständige Präteritumschwund im Schweizerdeutschen wird als Hintergrund gesehen, vor dem sich diese Loslösung von den Ablauten vollziehen konnte, denn die Konjunktiv-Präteritum-Formen sind auf den Indikativ Präteritum bezogen. Wo dieser verloren gegangen ist, kann der Konjunktiv ganz neue Wege gehen – insofern wurde die S. 17 zitierte Formulierung von Lötscher (2010: 116) vom schweizerdeutschen Konjunktiv als „Naturlaboratorium“ als charakteristisch für die aktuelle Forschung angesehen. Mit Ablauten haben die neuen Konjunktiv-Präteritum-Stammvokale dann nicht mehr viel zu tun, daher wird von „Konjunktiv-Infixen“ gesprochen.

Nübling (1997) und Christen (1999) stimmen auch darin überein, dass Ausgleichsprozesse, also Generalisierungen einzelner Vokale, anzunehmen sind. Unterschiedlich sind allerdings ihre Aussagen, welche Vokale generalisiert werden: Nübling (1997: 112f.) trifft auf der Basis der Dialektgrammatiken (Weber 1987, Suter 1992, Marti 1985) dialektspezifisch differenzierte Aussagen. Sie nimmt an, dass im Baseldeutschen und Zürichdeutschen u(u) generalisiert wird, im Berndeutschen dagegen ie ([iə]). Dagegen sind Christens (1999) Daten eher dialekthomogen (Zentral- und Ostschweiz). Aus ihnen ergibt sich ein Ausgleich auf ie oder ä(ä), nur in geringem Ausmaß jedoch auf...

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