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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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10 Synthetischer vs. analytischer Konjunktiv Präteritum

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10.1 Problemstellung

Bittner/Köpcke (2010: 26, 40) nennen folgende Vorteile der analytischen gegenüber der synthetischen Bildung des standarddeutschen Konjunktivs Präteritum: Analytische Bildungen sind

− transparenter: sie weisen keine Veränderung des Stammvokals auf; Transparenz ist also im Sinne einer Schemakonstanz zu verstehen und bezieht sich auf die starken und unregelmäßigen Verben;

− ikonischer: die Konjunktivkategorie ist gegenüber dem Indikativ merkmalhaltiger, insofern ist die formal aufwendigere Kodierung durch ein Hilfsverb konstruktionell ikonisch;

− eindeutiger: keine Synkretismen/Homonymien mit dem Indikativ (was übrigens gleichzeitig eine Voraussetzung an das Hilfsverb ist: es sollte keine Synkretismen aufweisen); dieses Kriterium ist besonders für die schwachen Verben relevant. Moser (1970: 282) spricht in diesem Sinn von der Informationsökonomie der analytischen Bildung;

− uniformer: unabhängig von der Einordnung als starkes oder schwaches Verb wird die Kategorie immer gleich markiert. In diesem Sinne spricht Moser (ebd.) von Systemökonomie, Meier (1985: 70) von Sprachökonomie;

− phonologisch wohlgeformter: es entstehen keine ungünstigen Phonotagmen oder überlangen Formen wie unter Umständen bei additiven synthetischen Formen (beteten);

− leichter zu erlernen und zu speichern: dieses Kriterium spielt vor allem im mittel- und niederfrequenten Wortschatz eine Rolle, während im Kernwortschatz die hohe Tokenfrequenz das Speichern kognitiv aufwendigerer Formen unproblematisch macht und die Irregularität der Formen sogar funktional erscheinen lässt.

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