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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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‚Masse Mensch‘ in Döblins Berge Meere und Giganten: Zeitkritik, Vorauswissen und Zukunftsahnung im surrealen Erzählwerk: Friedrich Wambsganz

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‚Masse Mensch‘ in Döblins Berge Meere und Giganten

Zeitkritik, Vorauswissen und Zukunftsahnung im surrealen Erzählwerk

Friedrich Wambsganz

Ernst Toller hat in seinem 1919 während seiner Haftzeit geschriebenen Verkündigungsdrama Masse Mensch die Deutsche Revolution vom November 1918 in ihrer ethischen Berechtigung vorwiegend im Dialog zwischen der pazifistisch gesonnenen anonymen Frau, dem kampfbereiten Namenslosen und dem staatsgetreuen anonymen Mann problematisiert. Tollers Erfahrungen während seiner eigenen Mitwirkung unter den Verantwortlichen für die Räterepublik gehen in die Reflexionen über Streik gegen Arbeitsbedingungen und Krieg sowie den widerrechtlichen, jedoch moralisch gerechtfertigten Aufstand der Massen gegen die übermächtige Herrschaft von Staat und Kapital in sein Bühnenstück ein.1 Alfred Döblin verarbeitet in seinem Anfang 1924 bei S. Fischer in Berlin erschienenen avantgardistischen Zukunftsroman Berge Meere und Giganten seine Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, seine Beobachtungen zu Novemberrevolution und kurzer Räterepublik sowie zur Politik in Deutschland während der ersten viereinhalb Jahre der Weimarer Republik. Die politischen Gegenwartserfahrungen prägen sein Buch genauso wie sein berufsmäßiger Blick als Psychiater und Arzt, dann auch als Beobachter der weiteren Entwicklung von Staat und Gesellschaft in den 20er Jahren sowie als ungemein phantasiestarker und sprachmächtiger Seher von Untergang und Chaos der westlichen Hemisphäre bis zum fernen 27. Jahrhundert.

1. Phänomenologie der Massendarstellung

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