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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Monströse Massen: Zur Ökologie in Alfred Döblins Berge Meere und Giganten: Christof Bultmann

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Monströse Massen

Zur Ökologie in Alfred Döblins Berge Meere und Giganten

Christof Bultmann

Dass der ökologische Diskurs zuallererst ein Krisendiskurs ist, wird deutlich, wenn man das Vorwort zur Grundlegung der Ökologie als Wissenschaft von der Natur des deutschen Insektenforschers Karl Friederichs von 1937 liest. Als Hauptvertreter einer synthetisch ausgerichteten Allgemeinen Ökologie war Friederichs – zusammen mit dem Binnengewässerforscher August Friedrich Thienemann – im frühen 20. Jahrhundert maßgeblich beteiligt an Etablierung und Positionierung der Ökologie als wissenschaftlicher Disziplin im deutschsprachigen Raum.1 Im Vorwort seiner Programmschrift ist die Rede von einer „Wiedervereinigung und Sinngebung“ der in ihre Einzelwissenschaften zerfallenen Naturwissenschaft, von einer „Wesensschau“, die das Ganze vor seinen Teilen erkennen lässt, von „Orientierung“ und „Weltanschauung“ bis hin zur „metaphysischen Einheit von Natur und Geist“ – natürlich unter dem Vorzeichen ihres vorherigen Verlustes.2 Dabei tritt die Ökologie nach Friederichs nicht nur an, um den Naturwissenschaften ihr metaphysisches Fundament zurückzuerstatten, sondern sie begreift sich zugleich als pädagogische Institution:

Aufgabe der Wissenschaft ist immer Erkenntnis, aber Erkenntnis, die zur Tat führt oder die Art des Handelns bestimmt. Ökologie ist besonders geeignet, in der Natur die Lehrmeisterin des Menschen zu erkennen, der gegenüber weise Mäßigung angezeigt ist. Denn „jedes Übermaß bestraft und vertilgt sich selbst“ (Herder).3

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