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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Stupor und Poetik: Alfred Döblin und Reinhard Jirgl: Matthias Prangel

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Stupor und Poetik: Alfred Döblin und Reinhard Jirgl

Matthias Prangel

1. Einleitung

Dass zwischen Alfred Döblins und Reinhard Jirgls literarischem Werk vielfältige Verbindungslinien verlaufen, ist bekannt. Schon denen, die Jirgl 1993 und 1996 Alfred-Döblin-Preis und Alfred-Döblin-Stipendium zuerkannten, war es aufgegangen. Und seither ist der Hinweis auf Döblin, wo immer über Jirgl geredet oder geschrieben wird, mit ansteigender Tendenz Standard geworden. Von seiner überbordenden expressionistischen Sprache etwa vernimmt man da, von seiner immensen visionären Phantasie, von seiner Verliebtheit ins sprachliche Experiment, von seiner Auflösung eindimensionaler Handlungsverläufe in weitläufig vernetzte Handlungsstrukturen, sogar von gewissermaßen als Hommage an Döblin verfassten Adaptionen einzelner Figuren und Themen aus dessen Werk. Nirgends sonst aber liefert Jirgl das Belegmaterial dazu so reichlich wie in seinem letzten Roman Die Stille (2009).1 Sogar als regelrechter Großstadtroman in der Folge von Berlin Alexanderplatz2 wurde er bereits deklariert, was aber wohl eher als Fehlanzeige zu gelten hat.

Simple Feststellung von Parallelen, Konstruktion von Abhängigkeit, womöglich das Aufstellen einer Werthierarchie zwischen beiden Autoren kann freilich nicht das Anliegen meiner Überlegungen sein. Vielmehr gehen diese von der Kongenialität beider Autoren aus und fokussieren auf die Fortschreibung und Steigerung von Döblins modernistischer Poetik im Werk Jirgls im Sinn eines immer weiteren Unterlaufens des linearen, logischen Grundcharakters der Schrift durch die Etablierung netzartiger Strukturen in literarischen Texten.

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