Show Less
Restricted access

Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

Series:

Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
Show Summary Details
Restricted access

Berlin Alexanderplatz: Masse, Medien und Medialität bei Alfred Döblin: Dagmar von Hoff

Extract

Berlin Alexanderplatz

Masse, Medien und Medialität bei Alfred Döblin

Dagmar von Hoff

Walter Benjamin beginnt seine Rezension zu Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz (1929) mit den Sätzen: „Das Dasein ist im Sinne der Epik ein Meer. Es gibt nichts Epischeres als das Meer.“1 Die Metapher des Meeres zielt auf die Masse. Allein so lässt sich Benjamins Inszenierung einer gewaltigen Wassermenge, die der Epiker vom Strand aus wahrnimmt, verstehen: „Zum Beispiel an den Strand legen, der Brandung zuhören und die Muscheln, die sie anspült, sammeln. Das tut der Epiker.“2 Schon Jules Michelet hatte 1861 die gewaltige Wassermasse, die man als Meer bezeichnet, in Verbindung zu gesellschaftlichen Prozessen der Kollektivierung und Vermassung gebracht.3 Benjamin ist ebenfalls fasziniert von diesem Eindruck einer Totalität, die zugleich einen Reichtum an Differenzierung eröffnet und in Döblins Großstadtroman, verstanden als Epos der Moderne, geradezu ideal zum Ausdruck kommt. Denn in Berlin Alexanderplatz finden sich unterschiedliche Materialien – ähnlich dem Strandgut – versammelt und durch ein raffiniertes Zitieren, Collagieren und Montieren zum Sprechen gebracht. Allein diese „bricolage aesthetic“4 – wie Peter Jelavich sie bezeichnet – lässt ein soziales Netzwerk von ununterbrochen laufenden Erzählungen entstehen. Die Beredsamkeit der Stadt zeigt sich dann in einem Feld von massenmedialen Techniken und Diskursen, wobei das Projekt der Moderne darin besteht, die Masse selbst bis hin zum Subjekt zu entwickeln. ← 289 | 290 →

1. Der Epiker und das Fenster zur Welt

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.