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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Restauration des Menschen: Alfred Döblin und der (Radio-) Essay: Doren Wohlleben

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Restauration des Menschen

Alfred Döblin und der (Radio-) Essay

Doren Wohlleben

Wenn Hans Magnus Enzensberger noch im Jahr 2003 seine Essays unter dem Titel Nomaden im Regal herausgibt,1 weil Essays bis heute keinen festen Platz im Bücherregal hätten, so liegt das daran, dass einem klugen Vorschlag Alfred Döblins zu wenig Gehör geschenkt wurde: nämlich, so Döblin in seinem Vortrag vom 30. September 1928 auf der Kasseler Tagung Dichtung und Rundfunk, die drei klassischen Gattungen Epik, Dramatik und Lyrik durch die Essayistik zu ergänzen. Zwar handle es sich bei der Essayistik um ein „etwas zweifelhafte[s] Gebiet“, das in Deutschland nicht besonders groß sei, doch könne es, dies die richtige Prophezeiung Döblins, für den Rundfunk einmal sehr wichtig werden.2

Gleich zwei relativ neuen, bzw. neu thematisierten ‚Medien‘ gegenüber zeigt sich Döblin hier aufgeschlossen und versucht sie produktiv aufeinander zu beziehen: dem in Deutschland damals erst seit wenigen Jahren etablierten Rundfunk sowie dem seit 1870 als klassische Schreibweise der Gebildeten anerkannten und seit ca. 1900 als Gattung reflektiertem Essay.3 Letzterer wurde nicht nur zum unverzichtbaren Bestandteil des modernen Romans – Robert Musils Mann ohne Eigenschaften und Hermann Brochs Schlafwandler gelten als Paradebeispiele, Döblins Berlin Alexanderplatz kann hier eingereiht werden – sondern auch zum Kernbestand poetologischer Standortbestimmungen: Als „Wissenschaft in Pantoffeln“4 von Robert Musil ironisch diskreditiert, zugleich aber in den Rang höchster mystischer Erkenntnis erhoben,5 schwankt der Essay in...

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