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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Alfred Döblins Radiosendung Kritik der Zeit (1946–1951): Ein Schriftsteller auf dem schmalen Grat zwischen Massenlenkung und Massenaufklärung: Alexandra Birkert

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Alfred Döblins Radiosendung Kritik der Zeit (1946−1951)

Ein Schriftsteller auf dem schmalen Grat zwischen Massenlenkung und Massenaufklärung

Alexandra Birkert

Als Alfred Döblin in seinem Journal 1952/53 rückblickend – und diese Passage hat er wohl Anfang Februar 1953 verfasst – unter der Fragestellung „Was habe ich gewollt, und was getan?“ eine Bilanz seines Engagements in den ersten Nachkriegsjahren in Deutschland zog,1 nannte er seine Rundfunkkommentare beim Südwestfunk in Baden-Baden und Mainz erstaunlicherweise an erster Stelle.2 Dafür sind mehrere Gründe denkbar.

Erstens: Die Kontinuität und der Umfang von Alfred Döblins Rundfunkpublizistik in den Nachkriegsjahren 1946 bis 1951. Zweitens: Der „ungeheure Aktionsradius“3 des Mediums Rundfunk, den Döblin schon in der Weimarer Republik so benannt, erkannt und genutzt hatte. Drittens, mit Blick auf die subjektive Fragestellung (‚Was habe ich gewollt‘): Döblins relativ große Unabhängigkeit von anderen bei der Gestaltung der Sendung – sieht man einmal von der Zensur seitens der französischen Besatzungsmacht ab; erinnert sei ← 325 | 326 → demgegenüber etwa an die enormen Schwierigkeiten, die Döblin als Herausgeber der Zeitschrift Das Goldene Tor hatte, bei der er auf die Mitarbeit anderer Autoren angewiesen war. Und viertens, gleichsam zusammenfassend: Kontinuität und Umfang, Wirkungskreis und weitgehend freier Gestaltungsspielraum der Sendereihe boten Döblin die Möglichkeit, in seinem Sinne an der ‚Rééducation‘ der Deutschen mitzuwirken. Denn „der Rundfunk verfügt“ einerseits, so Döblin schon 1929, „über eine ungeheure Hörermasse...

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