Show Less
Restricted access

Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

Series:

Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
Show Summary Details
Restricted access

Propaganda für den Pazifikkrieg: Döblins Filmerzählung Der Ausreißer / The runaway: Stefan Keppler-Tasaki / Gabriele Sander

Extract

Propaganda für den Pazifikkrieg

Döblins Filmerzählung Der Ausreißer The runaway

Stefan Keppler-Tasaki / Gabriele Sander

1. „Bewahre uns Gott vor den Kinos“

1.1 Döblins widerwillige Verpflichtung auf den Film

Nach Entdeckung von Queen Lear 1 muss man inzwischen von sieben Filmtexten ausgehen, die Alfred Döblin während seines Vertragsjahres bei MGM verfasst hat. Nur Bertolt Brecht hat unter den deutschen Exilautoren mehr und ähnlich elaboriert für den Film geschrieben. Ironischerweise wollte die grundlegende Exilforschung der 1970er Jahre, so das Handbuch Deutsche Exilliteratur, gerade an Döblin – und immerhin in Anlehnung an dessen Selbstbild – ein negatives Exempel statuieren: „Als wirklich repräsentatives Beispiel für Fruchtlosigkeit verdient […] Alfred Döblin, der ausgesprochenste Titular-Drehbuchautor unter den Deutsch-Hollywoodianern, genannt zu werden“, so leitete Hans-Bernhard Moeller sein Resümee zum Beitrag Exilautoren als Drehbuchautoren ein.2 Moeller stellte seine Ausführungen allerdings unter den grundsätzlichen, von Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor noch im Jahr 2013 für den größten Teil des Corpus wiederholten Vorbehalt, dass sich archivalische Erschließung, editorische Präsentation und generisches Verständnis dieser Art von hybriden Texten auf einer „Frühstufe“ befänden.3 ← 387 | 388 →

Klaus Weissenberger hat sich für den Döblin-Artikel im selben Handbuch als erster mit den Filmtexten beschäftigt, wie sie seit 1961 im Marbacher Hauptnachlass lagen. Von seinem skeptischen Urteil über den Filmautor Döblin nahm er allein den Kriminalfilmentwurf Staatswanwalt Fregus aus: Nur...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.