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Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

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Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.
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Formate künstlerischer Theoriebildung: Peter J. Schneemann

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Formate künstlerischer Theoriebildung

PETER J. SCHNEEMANN

Der Auftritt ist ernst und äusserst kontrolliert. Hier wird doziert. Forderungen an die Kunst und die Gesellschaft im Allgemeinen wechseln mit kurzen Berichten über Leistung und Scheitern vergangener Projekte. Jeder zweite Satz beginnt mit einem emphatischen „ICH“. Glaubensbekenntnisse, Merksätze und Appelle reihen sich aneinander. Mit ausholender Gestik wird auf projizierte Diagramme, vom Künstler „Maps“ genannt, verwiesen. Sie sind in grober Handschrift gemalt, geklebt und voller Einfügungen und Korrekturen. Unterstrichene Begriffe, Zentren und Kreisläufe veranschaulichen ein Verweissystem, in dem alles um das Subjekt kreist: „Wo stehe ich? Was will ich?“. Die graphische Sprache dieser Schaubilder trägt das stilistische Label des Künstlers – Thomas Hirschhorn.1

Die Form der Präsentation ist klar umrissen – die Gliederung besteht aus 10 Geboten. Hirschhorn trägt sie ebenso routiniert wie begeistert vor (Abb. 1). Er appelliert an das Publikum, doch im Grunde genommen proklamiert er sie für sich selbst, denn sie sind nichts anderes als ein Entwurf seiner Künstlerrolle. Der dogmatische Charakter des Regelwerkes korrespondiert mit einer Haltung, die immer wieder auf sich selbst verweist und den festschreibenden Charakter eines Credos besitzt. ← 33 | 34 →



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