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Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

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Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.
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Künstlertheorien der Theorieverweigerung im Abstrakten Expressionismus: Tobias Vogt

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Künstlertheorien der Theorieverweigerung im Abstrakten Expressionismus

TOBIAS VOGT

Deutsche Kulturkritiker fassten Mitte des vergangenen Jahrhunderts die zeitgenössische US-amerikanische Malerei nicht in mittlerweile eingeübten und diskursfesten Begriffen. Im Sachverzeichnis etwa von Arnold Gehlens 1960 erschienenem Buch Zeit-Bilder finden sich weder „Abstract Expressionism“ noch „Action painting“, sondern „Action art“1 mit dem Verweis auf Seite 192. Ebendort versieht Gehlen den heute nicht sonderlich geläufigen Terminus sogar mit dem Adjektiv „berühmt“2. Indem er den Begriff mit Anführungszeichen vom übrigen Text absetzt, geht Gehlen alleine schon syntaktisch auf Distanz zur „action-art“: „Die Pointe der berühmten ‚action-art‘ liegt nicht darin, daß man ‚die Bilder mit dem ganzen Körper schreibt‘, wozu man sie am besten auf dem Boden auslegt […]“3. Zusätzlich fügt er demselben Satz folgende, durch die runde Einklammerung zwar zurückgenommene, aber gerade dadurch betonte Bemerkung an: „[…] (Trouvaille aus der Kommentarliteratur: ‚Da begeht Jackson Pollock wie ein tanzender Derwisch seine oft riesigen Leinwände und zeichnet mit tröpfelnder Farbkanne die verzweifelte Choreographie seiner Lebensspur.’).“4 Gehlen mochte die Neue amerikanische Malerei während ihrer Europareise, die Dorothy Miller von New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) organisiert hatte,5 oder anschließend auf der zweiten documenta 1959 gesehen haben. In jedem Fall hat er, wie seine „Trouvaille“ zu belegen vermag, einen Text über Pollocks Malerei kurz vor der Drucklegung seines Buches gelesen. Da es ihm ← 111 | 112 → in seiner Soziologie und Ästhetik der modernen Malerei weniger um die...

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