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Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

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Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.
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Das Interview als Tarnkappe: Andy Warhol und Christian Boltanski: Sabine Kampmann

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Das Interview als Tarnkappe: Andy Warhol und Christian Boltanski

SABINE KAMPMANN

„Das Interview als Tarnkappe“ formuliert einen Widerspruch in sich. Denn nicht etwa das Verbergen, Verheimlichen oder gar Unsichtbarsein ist Sinn und Zweck eines Interviews. Ganz im Gegenteil zielt es auf die Ermittlung und Mitteilung von Informationen durch die Befragung einer Person. Im besonderen Fall des Künstlerinterviews besitzt das unmittelbare und persönliche Gespräch mit dem Künstler oder der Künstlerin einen besonderen Reiz, da man sich nicht bloß irgendeinem Menschen, sondern einem Schöpferindividuum ganz nahe glaubt und von diesem vermeintlich authentische Informationen erhält. Das Künstlerinterview trägt das Versprechen in sich, über künstlerische Intentionen und Motivationen aufzuklären und den spezifischen Kontext eines Werkes zu erhellen.

Doch diesem Versprechen widersetzen sich einige Künstler durch die Art und Weise ihres Umgangs mit der Textform Interview. Andy Warhol und Christian Boltanski sind zwei Beispiele für solche Künstler, die trotz ihrer umfangreichen Interviewtätigkeit als Personen nicht greifbar werden und zu verschwinden scheinen. Sie weigern sich, zum Kommentator des eigenen Werks und Beobachter des eigenen Lebens zu werden. Dabei entscheiden sie sich jedoch nicht dafür, keine Interviews zu geben. Die Weigerung vollzieht sich vielmehr im Rahmen des Mediums Interview selbst, das so zu einer Art Tarnkappe umfunktioniert wird. Nach einem kurzen Blick auf Andy Warhol möchte ich am Beispiel der Interviews Christian Boltanskis zeigen, welche Herausforderungen die daraus entstehenden Dialogsituationen und Sprachschichtungen für...

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