Show Less
Restricted access

Theorie²

Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie

Series:

Edited By Eva Ehninger and Magdalena Nieslony

Mit den Begriffen «Potenzial» und «Potenzierung» lassen sich zwei Momente fassen, die die theoretische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie die kunstwissenschaftliche Arbeit über diese Theorieproduktion beschreiben. Das Potenzial künstlerischer Theorie für die Kunstwissenschaft wird in jenem Moment evident, in dem man sich darauf einigt, dass die häufig verwendete Gegenüberstellung von künstlerischer Theorie und Praxis nicht überzeugt, insofern Theorie Teil einer künstlerischen Praxis sein, und künstlerische Praxis umgekehrt theoretischen Impetus tragen kann. Mit der Potenzierung künstlerischer Theorie ist die Tatsache beschrieben, dass die Verschränkung von Theorie und Praxis im Laufe der Moderne und verstärkt nach 1960 selbst zum künstlerischen Format geworden ist. Die hier versammelten Aufsätze diskutieren diese Phänomene und die Problematik des Umgangs mit künstlerischer Theorie – eine grundlegende methodische Frage der Kunstwissenschaft. Sie nehmen diesbezüglich exemplarische künstlerische Positionen seit der klassischen Moderne bis in die Kunst der Gegenwart in den Blick.
Show Summary Details
Restricted access

Wege zur Erübrigung heutiger Künstlertheorie: Christian Janecke

Extract

Wege zur Erübrigung heutiger Künstlertheorie

CHRISTIAN JANECKE

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere, dass es bis in die frühen 1990er Jahre hinein noch Bibliotheken gab, die ihre monographische Literatur in einer für heutige Verhältnisse recht ungewöhnlichen Weise aufgeteilt hatten: In einem größeren Bereich fanden sich in alphabetischer Ordnung Bücher und abbildungsreiche Kataloge über Künstler. Doch Schriften von Künstlern hatte man, wo es möglich war, aus diesem Konvolut herausgezogen und eigens in einem anderen, ungleich kleineren Bereich aufgestellt. Dass diese Künstlerschriftensammlung ebenfalls alphabetisch geordnet war, sollte die Auffindbarkeit erleichtern, und es geschah in unschuldiger Anlehnung an die Behandlung der monographischen Literatur. Allerdings ging damit in unausgesprochener Weise eine Vorentscheidung einher: nämlich dass die Leser davon ausgehen konnten, entscheidender als die Themen, die vielleicht Cézanne angesprochen hatte, sei eben der Umstand, dass Cézanne sie angesprochen hatte – oder dass man sogar voraussetzte, das Bedeutendste, was die Künstler zu sagen hätten, beträfe jeweils in der Hauptsache nur sie selbst und ihr Werk (wobei man in diesem Fall auf eine gesonderte Aufstellung der Künstlerschriften eigentlich hätte verzichten können). Was aber, jenseits all dessen, unbedingt bemerkenswert bleibt, das ist aus heutiger Sicht die ungetrübte Selbstverständlichkeit, mit der man überhaupt vom Künstlerschrifttum, von seiner Eigenlogik und Bedeutsamkeit ausging. Ich vermute, dass Künstler wie Jeff Wall oder Daniel Buren sich recht einsam vorkämen, würde man ihre...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.