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Mythes et tabous des relations franco-allemandes au XX e siècle- Mythen und Tabus der deutsch-französischen Beziehungen im 20. Jahrhundert

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Edited By Ulrich Pfeil

Depuis la fin du XVIII e siècle, la France et l’Allemagne se sont retrouvées face à face, opposées l’une à l’autre selon un schéma qui s’est constamment nourri de symboles et de récits de nature antagoniste. Dans la mesure où les mythes décrivent « ce qui n’a jamais existé et ce qui se perpétue », ils constituent un matériau servant à forger sa propre identité en se démarquant de celle du voisin. Par la suite, les relations franco-allemandes furent toujours et encore marquées par des conflits et des guerres, de telle sorte que l’image de l’autre comme « ennemi héréditaire » s’est solidement ancrée dans la perception mutuelle, de part et d’autre du Rhin, jusqu’au milieu du XX e siècle. Mais si les mythes politiques, en tant qu’armes mentales, peuvent être des forces motrices des conflits, ils peuvent aussi contribuer – à l’exemple des relations franco-allemandes après 1945 – à transformer les anciens « ennemis » en « amis » héréditaires. Cet ouvrage analyse les perceptions, la construction des stéréotypes, les mises en scène politiques, mais aussi les tabous et parfois les retours du refoulé.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts standen sich Deutschland und Frankreich feindlich gegenüber. Ihr Antagonismus wurde von einem Schema bestimmt, das sich beständig durch gegensätzliche Symbole und Narrative nährte. Indem Mythen beschreiben, «was niemals existiert hat und was weiter fortlebt», bilden sie ein identitätsstiftendes Material, mit dem sich beide vom Nachbarn abgrenzten. In der Folge blieben die deutsch-französischen Beziehungen von Konflikten und Kriegen bestimmt, so dass das Bild vom «Erbfeind» bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts tief in der wechselseitigen Perzeption auf beiden Seiten des Rheins verankert blieb. Aber wenn politische Mythen als mentale Waffen Katalysatoren für Konflikte sein können, so können sie auch dazu beitragen – wie die deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 zeigen –, aus ehemaligen Feinden «Erbfreunde» werden zu lassen. Dieser Band untersucht Perzeptionen, Konstruktionen von Stereotypen, politischen Inszenierungen, aber auch Tabus und bisweilen die Rückkehr von bereits überwunden geglaubten Repräsentationen.

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Clemens KLÜNEMANNDer Mythos der Kontinuität. Eine deutsch-französische Erinnerungan den Widerstand im Spannungsfeld zwischen republikanischerLegitimität und staatlicher Souveränität 223

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Der Mythos der Kontinuität Eine deutsch-französische Erinnerung an den Widerstand im Spannungsfeld zwischen republikanischer Legitimität und staatlicher Souveränität Clemens KLÜNEMANN (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) «Mir graut vor Mythen», sagte der Schriftsteller Henri Michaux in einem Gespräch. «Alles, was altert und zum Mythos wird, müsste man wieder in Frage stellen. Auch Frankreich sollte von Zeit zu Zeit seinen Namen wech- seln, der Ehrlichkeit wegen, um den Mythos ‹Frankreich› abzulegen».1 Es ist offenkundig, dass der Mythos-Begriff, der hier hypostasiert wird, als Synonym von traditionalistischer Erhabenheit über Kritik, ja von Ideologie verwendet wird. Der Mythos ist indes nicht per se ein Konstrukt, das von intellektuellem Scharfsinn zu dekonstruieren ist – das unterscheidet ihn von Legende oder Propaganda. Mythen ohne Riten verblassen zu Legenden – Riten ohne Mythen hingegen erstarren zum sinnentleerten Ritual. Der Be- griff des Mythos steht also in einer Art dialektischen Beziehung zum Akt des Erinnerns und der Besinnung auf Herkunft. Der Begriff des Mythos wird daher im folgenden im Sinne der Erinnerungsorte verstanden, wie sie Pierre Nora für das kollektive Gedächtnis in Frankreich und, auf den deutschen Kontext bezogen, Etienne François und Hagen Schulze charakterisiert ha- ben.2 Dass dieses Konzept nicht vor Dekonstruktion bzw. Wandel gefeit ist, versteht sich von selbst; ebenso selbstverständlich aber ist auch, dass dem so verstandenen Mythos Wirklichkeit – und zwar nicht nur im Sinne von Wirkmächtigkeit – nicht von vornherein abgesprochen werden kann. 1 «J’ai horreur des mythes. Il faudrait remettre en question tout ce...

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