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Wissen als Gut

Ein Beitrag zur Grundlegung der sozialen Erkenntnistheorie

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Rainer Kamber

In der orthodoxen erkenntnistheoretischen Tradition ist der Begriff des Wissens mit dem der Wahrheit verknüpft und Wissen wird in hohem Masse individualistisch konzipiert. Individualistisch heisst, dass Wissen nicht von einem epistemischen Subjekt zum anderen weitergegeben werden kann. Die traditionellen Quellen des Wissens sind die Wahrnehmung, die Erinnerung und die Schlussfähigkeit und nur Wissensansprüche auf diesen Grundlagen gelten überhaupt als evaluationsfähig. Dadurch macht sich die orthodoxe Tradition vulnerabel für Skeptizismus und epistemische Paradoxien. In der vorliegenden Arbeit zeichnet der Autor die wesentlichen Linien der erkenntnistheoretischen
Orthodoxie im Zusammenhang mit der Zeugenschaft nach und diskutiert die gewichtigen Einwände gegen die entsprechenden Doktrinen. Auf der Grundlage einer neuartigen Gütertheorie des Wissens zeigt der Autor, inwiefern nicht bloss Zeugenschaft, sondern auch die klassischen erkenntnistheoretischen Kategorien wie Rechtfertigung und Berechtigung sozialen Gehalt haben.

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Kapitel 4: Die Güter epistemischer Gemeinschaften 135

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135 Die Güter epistemischer Gemeinschaften Meinungen sind jene propositionalen Einstellungen, die nicht nur unser Handeln motivieren und anleiten, sondern sie führen, wenn sie wahr sind, auch zum Handlungserfolg. Aber nur insofern wir uns Handlungs- ziele setzen, unterschiedliche Handlungsziele gegeneinander abwägen und die Mittel zu ihrem Erreichen auswählen können, werden die ent- sprechenden wahren Meinungen eine Handlung zielgerichtet und effek- tiv machen. In diesem Sinn sind wahre Meinungen Elemente von Güter- sachverhalten, die in einer instrumentellen Beziehung zum grund- legenden Gut erfolgreichen Handelns stehen. Weil aber bloss zufällig wahre Meinungen nicht auf diese Weise operationalisiert werden kön- nen, sind unter anderem Elemente wie Rechtfertigung, Berechtigung oder zuverlässige Prozesse Elemente derselben Gütersachverhalte, da sie wahre Meinungen indizieren und deren Wahrheit so nichtzufällig und damit für Individuen „stabil“ machen. Insofern epistemische Gemeinschaften aus Individuen konstituiert sind, sind die individuellen epistemischen Güter auch Güter in Gemein- schaften. Das bedeutet nicht mehr, als dass Individuen in Gemeinschaf- ten dieselben epistemischen Interessen haben, die auch isolierte Indivi- duen haben, denn in Gemeinschaften ist die materiale Möglichkeit zu individueller Deliberation und zum individuellen Handeln ebenso wich- tig, wie sie es für isolierte Individuen ist. Dieser „summativen“ Konzeption von gemeinschaftlichen Gütern (Quinton 1982) kann ein relationales Modell epistemischer Güter in Ge- meinschaften gegenübergestellt werden. Im Folgenden werde ich ein Gut genau dann als „gemeinschaftliches Gut“ behandeln, wenn die Mitglie- der einer Gemeinschaft nicht nur Interesse am persönlichen Besitz...

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