Show Less

Wissen als Gut

Ein Beitrag zur Grundlegung der sozialen Erkenntnistheorie

Series:

Rainer Kamber

In der orthodoxen erkenntnistheoretischen Tradition ist der Begriff des Wissens mit dem der Wahrheit verknüpft und Wissen wird in hohem Masse individualistisch konzipiert. Individualistisch heisst, dass Wissen nicht von einem epistemischen Subjekt zum anderen weitergegeben werden kann. Die traditionellen Quellen des Wissens sind die Wahrnehmung, die Erinnerung und die Schlussfähigkeit und nur Wissensansprüche auf diesen Grundlagen gelten überhaupt als evaluationsfähig. Dadurch macht sich die orthodoxe Tradition vulnerabel für Skeptizismus und epistemische Paradoxien. In der vorliegenden Arbeit zeichnet der Autor die wesentlichen Linien der erkenntnistheoretischen
Orthodoxie im Zusammenhang mit der Zeugenschaft nach und diskutiert die gewichtigen Einwände gegen die entsprechenden Doktrinen. Auf der Grundlage einer neuartigen Gütertheorie des Wissens zeigt der Autor, inwiefern nicht bloss Zeugenschaft, sondern auch die klassischen erkenntnistheoretischen Kategorien wie Rechtfertigung und Berechtigung sozialen Gehalt haben.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel 5: Konklusion: Soziale Erkenntnistheorien (SET) und ihre Adäquatheitskriterien 235

Extract

235 Konklusion: Soziale Erkenntnistheorien (SET) und ihre Adäquatheitskriterien Diese Arbeit ist ein Beitrag zu den Grundlagen sozialer Erkenntnistheo- rien (die ich unten mit SET abkürzen werde). Als grundlegende Elemen- te solcher Theorien betrachte ich zum einen die Bestimmung ihrer Ge- genstände und den Rahmenbedingungen ihrer Analyse und zum zweiten die Formulierung von Adäquatheitskriterien für solche Theorien. Im vorliegenden Schlusskapitel möchte ich auf der Basis meiner bisherigen Diskussion Vorschläge für diese Elemente bereit stellen. Ziel ist also zu zeigen, was als SET gelten kann und insbesondere, was die genuin sozia- len Elemente ihres Gegenstandsbereiches und also ihres Analysebereichs ist. Dazu werde ich zudem den epistemologischen Theoriekontext dar- stellen, der es erlaubt, die soziale Erkenntnistheorie in der Philosophie (statt z.B. in der Psychologie oder in den Sozialwissenschaften) zu verorten. Jede SET ist zunächst eine Erkenntnistheorie und als solche wird sich eine ihrer grundlegenden Fragestellungen auf die Möglichkeit und die Bedingungen der Nicht-Zufälligkeit zeugnisbasierten Wissens bezie- hen. Ich sehe im Charakter und in der Verortung der Rechtfertiger zeug- nisbasierten Wissens den eigentlichen Schlüssel zu jeder SET - ebenso wie derartige Bestimmungen auch jede andere Spielart philosophischer Erkenntnistheorien grundlegend charakterisieren. Ein wichtiges Element dieses Schlusskapitels ist deshalb die Diskussion des normativen Cha- rakters von Erkenntnistheorie und der Fundierung dieser Normativität in einer Theorie der epistemischen Güter von Individuen und Gemeinschaf- ten, im Anschluss an meine Diskussionen im dritten und vierten Kapitel. Dies ist eine Voraussetzung dafür um zeigen zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.