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Rationalität und Formen des Irrationalen im deutschen Sprachraum

Vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Edited By Gabriela Antunes, Sonia Goldblum and Noémie Pineau

Die Beiträge dieses Bandes richten einen umfassenden, interdisziplinären Blick auf das Thema des Rationalen und des Irrationalen im deutschen Sprachraum. Um dem Phänomen näher zu kommen, werden die Ausdrucksformen dieses Begriffspaares vom Mittelalter bis in die Gegenwart pluriperspektivisch herausgearbeitet. Bemerkenswert ist die allgegenwärtige Aktualität des Themas sowie dessen Vielfalt an Facetten, Bedeutungen und Auswirkungen. Dabei fungiert das irrational Erscheinende oft als dasjenige Element, das die Existenz des Rationalen überhaupt erst ermöglicht. Dieses von Nachwuchswissenschaftlern getragene und herausgegebene Projekt geht zurück auf einen deutsch-französischen Workshop, der 2010 an der Universität Straßburg stattgefunden hat und die Wechselbeziehungen von Rationalität und Irrationalität zum Thema hatte. Der vorliegende Band wird durch weitere Beiträge zu diesem Thema ergänzt.

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I. Theoretische Grundlagen der Rationalitätsdebatte

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Erste Abteilung Theoretische Grundlagen der Rationalitätsdebatte Der Traum der Vernunft Der mittelalterliche Wissenschaftsdiskurs gegenüber dem Monströsen Gabriela ANTUNES Gemeinhin werden die mittelalterlichen Monstra als Stoff der Einbildungs- kraft und Produkt kollektiver Vorstellungen definiert. Oft werden sie mit dem Konzept von Fabelwesen gleichgesetzt,1 was insbesondere die Mythen- gläubigkeit des mittelalterlichen Menschen unterstreicht. Wenn aber moder- ne Anhaltspunkte auf eine vergangene Zeit übertragen werden, lässt sich der betroffene Gegenstand nicht erklären. Vorausgehend soll immer wieder er- örtert werden, dass ‹Poesie› und ‹Wahrheit› keine festen Kategorien bilden, und dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zeitabhängig sind, denn das mittelalterliche Monster dem Bereich des Mythos zuzuordnen, befriedigt zwar den heutigen Realitätsbedarf, entspricht aber nicht dem mittelalterli- chen Begriff. Der Schlaf der Vernunft El sueño de la razón produce monstruos heißt eines der bekanntesten Bilder des spanischen Malers Francisco de Goya [Abb. 1].2 Aus dem Pinsel des barocken Künstlers stammt eine Reihe ungeheuerlicher Kreaturen schwerer Zuordnung, die das Durcheinander deformierter Menschenkörper aller Art, Fabelwesen, Dämonen und zoomorphische Figuren einbezieht; jedoch gilt El sueño als eines der in der Kunstgeschichte meist diskutierten Werke. Aber da sueño zugleich Traum und Schlaf bedeuten kann, lässt sich fragen, 1 Wie z.B. Müller und Wunderlich in ihrem Nachschlagewerk: Ulrich Müller, Wer- ner Wunderlich (Hrsg.), Dämonen, Monster, Fabelwesen (= Mittelalter Mythen 2), St. Gallen 1999. 2 Darüber s. Paul Ilie, Goya’s Teratology and the Critic of Reason....

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