Show Less
Restricted access

Der deutsche Film im Kalten Krieg

Mit einem Vorwort von Hans Helmut Prinzler

Series:

Christin Niemeyer and Ulrich Pfeil

Filme gelten gewöhnlich in erster Linie als Unterhaltungsmedium. Der Blick in die Filmgeschichte zeigt jedoch auch, dass sie immer als politische Waffe eingesetzt wurden. Das galt ganz besonders in der Zeit des Kalten Krieges, in der sich die beiden verfeindeten Blöcke nicht nur einen ideologischen, sondern zugleich einen bilderreichen Konflikt lieferten. So war der Film auch in der deutschdeutschen Systemkonkurrenz ein beliebtes Medium, um die Überlegenheit der eigenen Ordnung zu demonstrieren. Er sollte ideologisch auf die kollektive Vorstellungswelt einwirken und Indikator für die technologische bzw. industrielle Macht dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs sein. Der Film spiegelte somit nicht alleine den ideologischen Zusammenstoß, sondern alimentierte ihn zugleich. Charakteristisch für den deutschen Film im Kalten Krieg war besonders die wechselseitige Bezogenheit der Filmproduktionen in den beiden deutschen Staaten. Eine deutsche Besonderheit war in dieser Hinsicht das Frontstaat-Motiv, thematisierten die Filmemacher doch wiederholt Mauer und Stacheldraht, so dass sie sich an der Konstruktion eines Bildes von der Grenze beteiligten, das noch heute die Erinnerung prägt. So bietet dieser Band einen facettenreichen Einblick in die Formen und Funktionen, die Inhalte und Rezeption des deutschen Films im Kalten Krieg.
Show Summary Details
Restricted access

Von Anti-deutsch zu Anti-sowjetisch. Die politische Positionierung des österreichischen Nachkriegskinos im Kalten Krieg (1946-1955)

Extract

Maria FRITSCHE

Musik, Charme, eine gewisse Leichtigkeit – dies, so der Filmproduzent Anton Schuchmann im Jahr 1950, zeichne den österreichischen Film aus und mache ihn so erfolgreich1. Kritische Stimmen hingegen bemängelten, dass das österreichische Nachkriegskino vor allem dem Eskapismus huldige und dem Publikum eine heile, zuckersüße Welt vorgaukle. Zwar konnten jüngere Forschungen dieses Urteil relativieren, indem sie aufzeigten, dass die konfliktreichen Geschlechterbeziehungen der ersten Nachkriegsjahre durchaus Eingang in das populäre Kino fanden, und auch die Traumata des Krieges und des Nationalsozialismus im Film seine Spuren hinterließen2. Andererseits blendete das österreichische Kino drängende soziale Fragen und Klassenkonflikte aus, indem es etwa soziale ← 301 | 302 → Unterschiede nivellierte und den bürgerlichen Mittelstand zum Standard erhob. Zudem vermieden die meisten Filmschaffenden eine Auseinandersetzung mit dem, was wir landläufig unter großer Politik verstehen. Die ideologischen Spannungen und weltpolitischen Krisen des Kalten Krieges fanden so gut wie keinen Eingang ins Nachkriegskino. Der österreichische Film versuchte betont unpolitisch zu agieren – und agierte dadurch natürlich höchst politisch. Im Folgenden möchte ich die Gründe für das weitgehende (aber keineswegs komplette) Ausblenden politischer Fragen im österreichischen Nachkriegskino erörtern und untersuchen, wie sich der österreichische Film ideologisch positionierte, in welcher Weise er auf politische Diskurse Bezug nahm und welche Lesarten er forcierte.

Der Film als populäres Medium und Konsumgut ist an der Schnittstelle von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft angesiedelt. Doch ist der Film weder Spiegel kollektiver Mentalitäten noch zwangsläufig Machtinstrument...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.