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Der deutsche Film im Kalten Krieg

Mit einem Vorwort von Hans Helmut Prinzler

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Christin Niemeyer and Ulrich Pfeil

Filme gelten gewöhnlich in erster Linie als Unterhaltungsmedium. Der Blick in die Filmgeschichte zeigt jedoch auch, dass sie immer als politische Waffe eingesetzt wurden. Das galt ganz besonders in der Zeit des Kalten Krieges, in der sich die beiden verfeindeten Blöcke nicht nur einen ideologischen, sondern zugleich einen bilderreichen Konflikt lieferten. So war der Film auch in der deutschdeutschen Systemkonkurrenz ein beliebtes Medium, um die Überlegenheit der eigenen Ordnung zu demonstrieren. Er sollte ideologisch auf die kollektive Vorstellungswelt einwirken und Indikator für die technologische bzw. industrielle Macht dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs sein. Der Film spiegelte somit nicht alleine den ideologischen Zusammenstoß, sondern alimentierte ihn zugleich. Charakteristisch für den deutschen Film im Kalten Krieg war besonders die wechselseitige Bezogenheit der Filmproduktionen in den beiden deutschen Staaten. Eine deutsche Besonderheit war in dieser Hinsicht das Frontstaat-Motiv, thematisierten die Filmemacher doch wiederholt Mauer und Stacheldraht, so dass sie sich an der Konstruktion eines Bildes von der Grenze beteiligten, das noch heute die Erinnerung prägt. So bietet dieser Band einen facettenreichen Einblick in die Formen und Funktionen, die Inhalte und Rezeption des deutschen Films im Kalten Krieg.
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Deutscher Film im Kalten Krieg: eine Einführung

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Ulrich PFEIL

Die mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzende und mit dem Zerfall des Sowjetimperiums endende Periode des 20. Jahrhunderts wird bis heute gerne mit dem von dem amerikanischen Journalisten Walter Lippmann 1947 geprägten Begriff „Kalter Krieg“ umschrieben1. Er war ein Kampf der Ideologien, bei dem zwei Weltanschauungen miteinander um die Überlegenheit ihrer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnungen und ihre daraus abgeleiteten Machtansprüche rangen, wie die folgenden Worte von Marc Nouschi treffend illustrieren: „Der Freiheitsstatue, Coca-Cola, der Jeans und der Rockmusik standen der rote Stern, Hammer und Sichel, die prächtigen U-Bahn-Stationen in Moskau und die Tänzerinnen des Bolschoi-Theaters gegenüber“2.← 17 | 18 →

Der Kölner Historiker Jost Dülffer hob unlängst jedoch nochmals hervor, dass der Begriff „Kalter Krieg“ „ein hohes Maß an Geschlossenheit und Permanenz für die Zeit zwischen 1945 und 1990“ suggeriere und dabei „den ständigen Wandel der Beziehungen zwischen den ‚Blöcken’“ vernachlässige3. Und in der Tat war er mit seinen verschiedenen Entspannungs- und Eskalationsphasen ein Aggregatzustand des Ost-West-Konflikts4, der durch seine Totalität eine „weitgehend entgrenzte politisch-ideologische, ökonomische, technologisch-wissenschaftliche und kulturell-soziale Auseinandersetzung [darstellte], die ihre Auswirkung bis in den Alltag zeitigte“5. Er wurde zu einer globalen Auseinandersetzung, „in der alle Kriege und Konflikte unterhalb der Schwelle eines Dritten Weltkrieges zulässig waren“6.

Die Historiographie zum Kalten Krieg hat seit Anfang der 1990er Jahre wesentliche neue Einsichten in die Geschichte dieses globalen Konflikts gewonnen7, doch wird der Blick der...

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