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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Reue, Vergebung und Sühne: der Beitrag der symbolischen Gesten zu Verständigung und Versöhnung. Eine Einführung

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Reue, Vergebung und Sühne: der Beitrag der symbolischen Gesten zu Verständigung und Versöhnung

Eine Einführung

Anne BAZIN

1.  Der Beitrag der symbolischen Gesten zu Annäherungs- und Versöhnungsprozessen

Ob es sich um den Kniefall von Willy Brandt vor dem Mahnmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto im Dezember 1970 handelt, die „Geschichte zum Anfassen“ von François Mitterrand und Helmut Kohl im September 1984 in Verdun oder die Worte der Entschuldigung, die Václav Havel im Januar 1990 an die Sudetendeutschen wegen der Vertreibung nach Kriegsende 1945 richtete, diese Gesten und symbolischen Erklärungen haben die Aussöhnungsprozesse zwischen (West-)Deutschland und seinen Nachbarn nach dem Zweiten Weltkrieg gekennzeichnet. Umso naheliegender ist es, dass symbolische Akte die besondere Aufmerksamkeit dieses Sammelbandes gefunden haben. Sie provozierten in der Regel heftige Reaktionen im Moment ihrer Ausführung, nicht immer positive. Oft wurden sie erst im Nachhinein als eine wichtige Etappe im Aussöhnungsprozess wahrgenommen. Im Allgemeinen bilden sie aber bedeutende Beispiele politischer Kommunikation, deren Bilder vielfach reproduziert wurden, um ← 57 | 58 → Versöhnungsprozesse zum einen zu illustrieren, zum anderen aber auch ikonographisch zu bündeln, so dass sie heute oftmals als Modelle erscheinen.

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