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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Edited By Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Pax Christi. Katholiken für Frieden und Völkerverständigung

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Pax Christi

Katholiken für Frieden und Völkerverständigung

Friedhelm BOLL & Jens OBOTH

Die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi, die heute in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern sowie in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Afrika verbreitet ist, wurde im Herbst 1944 in Süd-Frankreich im Milieu der französischen Résistance und im Geist des republikanischen Frankreich gegründet. Im Vordergrund stand in den ersten beiden Jahrzehnten die deutsch-französische Aussöhnung. Darüber hinaus zielten die Initiatoren auf eine grundlegende Rechristianisierung der europäischen Nationen. International organisierte Wallfahrten, Friedens- und Sühnegottesdienste, Kongresse, das persönliche Gebet sowie das Studium der päpstlichen Friedenslehre bildeten lange Zeit die Hauptaktivitäten der Bewegung. Ab etwa 1957 setzte eine langsame Politisierung ein, die sich an der grundlegenden Ablehnung der Atombewaffnung der Bundeswehr festmachte, an der Auseinandersetzung um die Haltung des II. Vatikanischen Konzils zum Atomkrieg, der deutsch-polnischen Aussöhnung und der Kritik am Vietnamkrieg. Seit Pax Christi die Friedensbewegung in ihrem Kampf gegen das atomare Wettrüsten ab Anfang der 1980er Jahre unterstützte, versteht sich Pax Christi im Gegensatz zu ihren Anfängen nicht mehr als „reine Gebets- und ← 383 | 384 → Gesinnungsgemeinschaft“1 sondern als politische, überwiegend pazifistische Organisation.

Der folgende Beitrag beschränkt sich weitgehend auf die deutsche Perspektive. Dabei soll die Gründungsgeschichte, die deutsch-französische sowie die deutsch-polnische Aussöhnung und als Ausblick die ab 1957 einsetzende Politisierung mit dem stark pazifistischen H...

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