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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Die Zentrale Stelle Ludwigsburg. Versöhnung durch Aufklärung der NS-Verbrechen?

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Die Zentrale Stelle Ludwigsburg

Versöhnung durch Aufklärung der NS-Verbrechen?

Annette WEINKE

Die Politik der Annäherung und Verständigung, die Konrad Adenauer und Charles de Gaulle anfangs im Stillen verfolgten und später in der Kathedrale von Reims als öffentlichkeitswirksamen Akt der Versöhnung zelebrierten, erlitt Mitte der 1960er Jahre einen empfindlichen Dämpfer1. Diese Verstimmung in den damals noch fragilen westdeutsch-französischen Beziehungen trat ein, weil die Bundesregierung sechs Jahre nach dem Wiedereinstieg in die NS-Ermittlungen beschlossen hatte, alle noch unentdeckten NS-Mordverbrechen im Frühjahr 1965 verjähren zu lassen. Bundesjustizminister Ewald Bucher, damals noch bei den Freien Demokraten, konnte sich dabei darauf berufen, die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ habe ihm annonciert, die meisten justiziablen Vorgänge aus der NS-Zeit seien schon abgearbeitet und die Verjährungsfristen in allen relevanten Fällen unterbro ← 465 | 466 → chen2. Da die NS-Strafverfolgung zum damaligen Zeitpunkt weder im In- noch im Ausland sonderlich große Popularität genoss, sprach somit viel dafür, dass sich kaum Widerstand gegen den Verjährungsbeschluss regen würde.



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