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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Versuch an einem untauglichen Objekt

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Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Versuch an einem untauglichen Objekt

Kurt NELHIEBEL

Wenn man im Jahre 1927 in Deutsch Gabel (heute: Jablonné v Podještědí/Tschechische Republik) geboren und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde, und Jahrzehnte später einen Beitrag über die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung schreibt, dann wirft das gewisse Fragen zum eigenen Standpunkt auf. Ist es für jemanden, der vom Gesetz her ein Vertriebener und Sohn eines Hitler-Gegners1 ist, überhaupt möglich, sich ausgewogen mit diesem Thema zu beschäftigen? In meinen Berichten vom ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess Mitte der 1960er Jahre, die ich für eine jüdische Zeitung in Wien geschrieben hatte und 2003 in Buchform publizierte2, bekannte ich in einer persönlichen Vorbemerkung: „Ich erfüllte meine Chronistenpflicht nach bestem Wissen und Gewissen. Ein neutraler Beobachter war ich nicht. Wenn mir jemand wegen meiner Parteinahme für die Opfer mangelnde Objektivität vorwirft, dann ehrt mich das“. Dieser Anspruch soll auch für den folgenden Text gelten. ← 519 | 520 →

1.  Zeitzeuge der Vertreibung

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