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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Edited By Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Frieden und Versöhnung. Eine Aufgabe für Wissenschaft und Public History. Eine Einführung

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Frieden und Versöhnung. Eine Aufgabe für Wissenschaft und Public History

Eine Einführung

Cord ARENDES

1.  Frieden und Versöhnung: Gesellschaften nach Kriegen und Diktaturen

„If the wounds of the past are to be healed, disclosure of the truth and its acknowledgment are essential“1. Mit diesen Worten kündigte Anfang Juni 1994 der südafrikanische Justizminister Dullah Omar offiziell an, dass die neue Regierung unter Präsident Nelson Mandela nach zwei vorangegangenen allgemeinen Amnestiegesetzen der Regierung F.W. de Klerk (1990, 1992) beabsichtige, Wahrheitskommissionen einzusetzen, um Menschenrechtsverbrechen, die unter dem Apartheitsregime begangen worden waren, öffentlich zu untersuchen. Dem Gebot, in der Vergangenheit begangene Verbrechen anzuerkennen und zu erinnern wurde somit der Vorzug vor der Forderung gegeben, ← 701 | 702 → Amnestie walten zu lassen, d.h. zugunsten eines Neubeginns zu ‚vergessen‘2.

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