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Turbulentes 1989

Genese der deutschen Einheit- Aus dem Polnischen übersetzt von Jens Frasek

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Janusz Sawczuk

Nach fast vier Jahrzehnten, in denen eine mögliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR kein aktuelles Hauptthema war, avancierte es im Herbst 1989 ganz überraschend zu einer Schlüsselfrage europäischer Politik. Der Autor versucht aufzuzeigen, wie der deutsche Einigungsprozess im nationalen und internationalen Rahmen in Gang gesetzt wurde.
Im Mittelpunkt der Studie steht nicht nur eine differenzierte Analyse der inneren und äußeren Bestimmungsfaktoren dieses Prozesses, sondern auch eine systematische Erörterung der Interessen und Perzeptionen der Siegermächte beziehungsweise der östlichen und westlichen Nachbarstaaten Deutschlands. Dabei wird deutlich, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nur im Kontext einer schrittweisen Vertiefung und Erweiterung der EU-Integration mit Ansätzen für eine gesamteuropäische Perspektive möglich war.
Dieses Buch ist eine Übersetzung des polnischen Originals «Od status quo do Planu Kohla» welches 2005 an der Universität Oppeln erschienen ist. Übersetzer: Jens Frasek.

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Einleitung vii

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Einleitung Das unerwartete und in der Tat völlig überraschende Ergebnis der Bemü- hungen um eine Lösung der deutschen Frage eben in der Gestalt der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahre 1990 zählt zweifelsohne, und dies trotz des mittlerweile vor 20 Jahren eingeleiteten Vereinigungsprozesses, zu den Schlüsselproblemen der Geschichte und der Politologie, das in seiner Dynamik wie insbesondere Dramatik noch immer in Erstaunen versetzt. Jene Mächte, die im Jahre 1945 gemeinsam die Nachkriegsordnung in Europa diktierten, waren ebenso schnell zer- stritten wie sie den Gedanken um den Erhalt Deutschlands als politischer, wirtschaftlicher und sozialer Einheit verwarfen, obwohl sie gerade dazu das Potsdamer Abkommen verpflichtete. Eilends stellte man nach 1949 ebenso jegliche Bemühungen ein, die beiden neu entstandenen deutschen Staaten hin zu einem irgendwie gestalteten gemeinsamen Schicksal zu führen. Zumindest ab dem Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre verfolgte das geteilte Deutschland in politischer Hinsicht zweierlei Richtungen, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Beide deutsche Staaten wuchsen mittlerweile in ihre jeweiligen Rollen in den beiden sich politisch, ideo- logisch wie militärisch gegenüberstehenden Blöcken hinein und befan- den sich somit auf dem Wege, sowohl dauerhaft voneinander getrennt zu sein als auch ihre jeweilige Existenz immer stärker zu festigen, wobei die Hoffnung auf eine jedwede Form der Einheit zwischen ihnen dabei stetig abnahm. Mehr noch wuchsen mit einem sich immer stärker herauskris- tallisierendem Antagonismus zwischen Ost und West die Spannungen auch zwischen ihnen. Ein jeder dieser...

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