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Turbulentes 1989

Genese der deutschen Einheit- Aus dem Polnischen übersetzt von Jens Frasek

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Janusz Sawczuk

Nach fast vier Jahrzehnten, in denen eine mögliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR kein aktuelles Hauptthema war, avancierte es im Herbst 1989 ganz überraschend zu einer Schlüsselfrage europäischer Politik. Der Autor versucht aufzuzeigen, wie der deutsche Einigungsprozess im nationalen und internationalen Rahmen in Gang gesetzt wurde.
Im Mittelpunkt der Studie steht nicht nur eine differenzierte Analyse der inneren und äußeren Bestimmungsfaktoren dieses Prozesses, sondern auch eine systematische Erörterung der Interessen und Perzeptionen der Siegermächte beziehungsweise der östlichen und westlichen Nachbarstaaten Deutschlands. Dabei wird deutlich, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nur im Kontext einer schrittweisen Vertiefung und Erweiterung der EU-Integration mit Ansätzen für eine gesamteuropäische Perspektive möglich war.
Dieses Buch ist eine Übersetzung des polnischen Originals «Od status quo do Planu Kohla» welches 2005 an der Universität Oppeln erschienen ist. Übersetzer: Jens Frasek.

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Kapitel II

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Der Dialog mit Moskau 1988–1989. Bemühungen um eine Änderung der Einstellung des Kreml gegenüber der Frage nach einer „Wiedervereinigung“ Deutschlands 1. Die Belebung der wirtschaftlichen Kontakte zwischen Bonn und Moskau und damit Bildung der Basis eines politischen Dialogs Die wirtschaftlichen Kontakte zwischen Bundesrepublik und Sowjetunion begannen sich 1987 sowie, wie bereits erwähnt, insbesondere 1988 in einem besonderen Maße zu intensivieren sowie zu konkretisieren. Die Ursache hierfür lag im außerordentlichen Defizit an wirtschaftlichen Beziehun- gen und Bindungen begründet; unter den 37, zwischen Anfang 1987 und August 1988 gegründeten west-sowjetischen Joint-Venture-Unternehmen befanden sich lediglich 9, die mit einer Kapitalbeteiligung bundesdeutscher Unternehmen entstanden waren.1 Ein offensives Voranschreiten sowie neue Impulse in den wirtschaftlichen Angelegenheiten beider Staaten konnte im Frühjahr 1988 verzeichnet werden, nachdem man sich zuvor beiderseits verbal zu einer engeren Zusammenarbeit aufgefordert hatte. Die zahlrei- chen Stippvisiten und Gespräche führender Minister der UdSSR in der Bundesrepublik sowie Vertreter deutscher Wirtschaftsverbände in der Sowjetunion im Mai 1988 bildeten der Auftakt einer ganzen Reihe von 1 Iswestija vom 05.05.1988. 36 Kapitel II gegenseitigen Kontakten, die mit zunehmender Intensität bis in den Herbst dieses Jahres, d. h. bis zum Staatsbesuch Kohls in Moskau, andauerten.2 Neue und starke Impulse zur Belebung der wirtschaftlichen Kontakte zwischen Bonn und Moskau verliehen die Kreditvereinbarungen mit der Deutschen Bank AG sowie die Konferenz einer gemeinsam begründeten Wirtschaftskommission im Mai 1988. Auf der Grundlage von Kreditver- einbarungen, die zwischen dem Chef der Deutschen Bank, F. Wilhelm...

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